von Fans für Fans

Hostile

Hoffen auf die Apokalypse

von Janina Himmen
Juliette hat es schwer. Nicht nur, dass sie gerade einen fiesen Autounfall hatte und erst am nächsten Morgen damit rechnen kann, dass Hilfe geschickt wird. Dieser Unfall passierte auch noch in einer postapokalyptischen Wüste voller angriffslustiger Monster. Und weil dieses Szenario alleine keinen Film gefüllt hätte, muss sie sich gemeinsam mit dem Zuschauer außerdem durch Flashbacks in ihre soapoperaeske Vergangenheit quälen.

Während Juilette zu Beginn des Films in den Gegenwartsszenen noch Sympathiepunkte als toughe Kämpferin sammeln kann, verpuffen diese direkt zu einem traurigen Wölkchen Nichts, sobald wir sie in ihrem Leben vor dem wie auch immer gearteten großen Knall kennenlernen. Da war sie nämlich nicht nur drogenabhängig, sondern auch noch eine anstrengende Nervensäge. Das hält einen superreichen Galeristen nicht davon ab, sich trotz nicht vorhandener Gemeinsamkeiten in sie zu verlieben und sie zu seinem persönlichen Projekt zu machen. Selbst als sie ihn später in einer Szene, die romantisch wirken soll, fragt, was genau er an ihr liebt, fällt ihm nichts wirklich Überzeugendes ein. Aber ihr ein Kind anhängen will er trotzdem. Und dass das alles tragisch enden wird, scheint genau so vorherbestimmt wie das vorhersehbare Finale.

Ein GZSZ-Vergleich drängte sich mir bei den Rückblenden ständig auf, denn auf diesem Niveau bewegt sich das Drehbuch. Das Problem ist, dass diese Beziehung zweier eher unsympathischer und schwer harmonierenden Menschen tatsächlich romantisch wirken und die beiden als Ultramultraliebespaar etablieren soll. Das funktionierte bei mir überhaupt nicht. Und Juliettes Sinneswandel gegen Ende des Films wird durch die Vorgeschichte auch nicht nachvollziehbarer.

Hostile wirkte anfangs noch nicht wie ein schlechter Film, aber je mehr man davon sieht und je mehr man danach darüber nachdenkt, desto mehr fällt er in sich zusammen. So ging es zumindest mir. Er hat dabei fast einen gewissen Trash-Charme, aber eben auch nur fast, weil er sich viel zu ernst nimmt. Und so wartet man während der Flashbacks einfach nur darauf, dass bitte endlich die Welt untergehen soll...
Janina Himmen
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt - Original-Review

27.01.2018, 16:39



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