von Fans für Fans

Brawl in Cell Block 99

Unterdrückte Aggressionen

von Leimbacher-Mario
Mit dem gorigen Neo-Western "Bone Tomahawk" konnte mich Regisseur S. Craig Zahler vor zwei Jahren mehr als überzeugen und nun legt er mit einem Hardcore-Knastdrama nach, dass sich nicht gewaschen hat. Irgendwo zwischen Grindhouse und Guantanamo lässt dieser minimalistische, gedrosselte und mit unterdrückter Gewalt gesegnete Actioner die Hölle in einem Drecksloch von Gefängnis los, wo ein einsitzender Drogenschmuggler erpresst wird und unter allen Umständen einen letzten Auftrag ausführen muss, da sonst seine schwangere Frau böse dran glauben muss...

Es gibt nicht allzu viele Gewaltszenen in diesem Rumble in The Prison Jungle. Doch wenn die Aggressionen herausplatzen, dann erbarmungslos und ohne Vorwarnung. Vor allem das letzte Viertel wartet mit ein paar grandiosen, erfreulicherweise handgemachten Gore-Exzessen auf, die selbst geübten Zuschauern ein "Wow" auf die Lippen zaubern. Bis dahin lässt das pessimistische Werk es höchst gemächlich angehen, füllt seine Überlänge mit viel dreckiger Atmosphäre, lässigen Dialogen und noch dreckigeren Gefängniszellen, fast schon Kerkern. Dagegen wirken deutsche Gefängnisse wie das Waldorf Astoria!

Wir erleben eine Reise ohne Wiederkehr. In die dunkelsten Abgründe der Hölle. Blut, Schweiß, gebrochene Knochen, Rache und Liebe. Wir folgen Vince Vaughn und seiner zutiefst zerrissenen Figur durch eine abgründige Tour De Force. Eine solche Leistung hätte dem einstigen Comedy-Mimen vor ein paar Jahren wohl niemand zugetraut. Er wird zum Biest, zum Killer, zur Maschine. Und man kauft es ihm ab! Die Story ist minimal, Längen sind durchaus da, doch der Payoff kann sich sehen lassen, geht einem bis ins Mark. Das macht Spaß und tut weh zugleich. Fies, mies, extrem. "Brawl in Cell Block 99" ist modernes Bahnhofskino der heftigen Sorte. Er geht keine Kompromisse ein und deswegen mag ich ihn besonders. Vulkan, Slowburner, Mittelfinger, Knochenbrecher - ein Knasti wie es ihn noch nicht gab.

Fazit: Wie schon mit "Bone Tomahawk" verleiht Regisseur S. Craig Zahler seinem ultraharten Knast-Exploitationer eine Intensität und Brutalität, die einen zugleich staunen und schreien lässt. Und Vince Vaughn zeigt eine animalische Seite, die man von ihm nie erwartet hätte. "Brawl in Cell Block 99" ist heftig, launig und unberechenbar. Ein gern genommener Magentreffer, ein Mitternachtsmonster der erinnerungswürdigen Sorte!
Leimbacher-Mario

27.03.2018, 00:27



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