von Fans für Fans

Brawl in Cell Block 99

Ein düsterer Schlag in die Fresse

von Alexander
Der Film ist hart, ultrabrutal, gemein, pervers, erbarmungslos und beklemmend. Wer auf sowas steht, wird hier bis in die letzte Schweißpore auf das Allerbeste bedient. „Brawl“ geht dabei allerdings auch an die Grenzen der Glaubwürdigkeit und verlagert sich insbesondere in seiner 2. Filmhälfte auf ein Terroir, das mit gängigen Knast-Thrillern nicht mehr viel gemein hat, sondern mehr in eine Art „over the top“ Gewaltvorstellung verkommt, gegen die so manch andrer Gefängnisfilm ausschaut, wie ein Kindergeburtstag hinter dicken Mauern.

Unser „Held“ steckt in dieser Geschichte so dermaßen Knietief in der Scheiße, das man gar nicht anders kann, als mit ihm mitzufiebern/hoffen und zu leiden, vor allem Letzteres.

Dabei dauert es seine Zeit bis dieses fiese Stück Film seinen Weg in vergitterte Kerker und zu sadistischen Wärtern findet. Die Geschichte lässt sich Zeit seine Hauptdarsteller langsam einzuführen und gut zu charakterisieren. Seit langer Zeit fühlte man nicht mehr so sehr mit einem „bad guy“ mit. Dabei gelingt Regisseur S. Craig Zahler sogar das Kunststück, das sich der Film mehr nach 70er Jahre Exploitation anfühlt, als nach aktuellem Genrekino. Dazu tragen nicht nur die oft sehr langen Kameraeinstellungen bei, die man aus dem aktuellen Kino fast nicht mehr kennt, sondern auch die ruhigen, langen Passagen von Autofahrten, unterlegt mit relaxter Musik, die im harten Kontrast zum restlichen „Programm“ stehen, das über den Zuschauer nach einer langen, aber niemals langweiligen, ersten Filmhälfte hereinbricht.

Und während es anfänglich einfach nur „ordentlich was auf die Fresse“ gibt, um zu zeigen, wo der Hammer hängt, entgleitet uns die Action alsbald in ein finsteres, sadistisches Treiben und zertrümmerte Knochen und zermatschte Schädel beherrschen das Bild und ziehen die Geschichte fast ins Groteske.

All das wirkt zwar stellenweise billig, langweilt allerdings nie. Großes Lob an Vince Vaughn, der mit seiner allmächtigen Präsenz hier einen Film fast alleine trägt und im Alleingang über den Durchschnitt hebt.

Kein Film, den ich mir unbedingt ein zweites Mal anschauen muss. Für Fans des Genres wahrlich ein Leckerbissen. Ja, WENN man sowas goutiert. Bon Appetit.
Alexander

12.04.2018, 13:28



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