Mandy

The darker the whore, the brigher the flame

von Christian
Viel Wind wurde um das Comeback von Nicolas Cage als Red in Mandy gemacht. Mit leicht speckigem Gesicht kehrt er tatsächlich optisch furios zurück, ohne sich in langen Dialogen zu verhaspeln. Mitunter schön ausgeleuchtet schraubt er sich als Red („Name ist Programm“) schnaubend tatsächlich in gewaltige Höhen menschlichen Leidens und performt diese Eruptionen und daraus resultierende extreme Gewaltaktionen mitreißend.

Doch der Reihe nach. Cosmatos zweite Regiearbeit Mandy beginnt furious, sowohl in Bild als auch in Ton. Der Sound von King Crimson und übergehend in den Score von Johann Johannsson lässt einen hellwach durch die verwaschenen 80er Bilderwelten gleiten. Mutig erzählt Cosmatos in wenigen Dialogen und mit der vollen Wucht einer aus heutiger Sicht außergewöhnlichen Bildsprache die knappe Geschichte von ein paar kranken religiösen Fanatikern, die auf ihrem Weg auf Mandy und Red treffen. Dass dieses Treffen für Mandy keinen guten Verlauf nimmt dürfte klar sein. Schließlich heißt es Rache zu nehmen…

Cosmatos macht in Mandy einiges ganz toll. Er hat eine wunderbare Freak-Show ausgewählt. Nahezu alle Figuren funktionieren und wirken tatsächlich allesamt wie schmutzige Ausgeburten aus der dunkelsten Ecke des „Lynchiversums“. Auch die sehr langsame Entwicklung der Story, die meiner Meinung nach in einer noch radikaleren Inszenierung auch ganz ohne Dialoge auskommen würde, gehe ich mit, auch wenn es gefühlte 60 Minuten dauert, bis tatsächlich mal ein wenig Dynamik entsteht.

Der psychedelische unscharfe Farbrausch gefällt, doch hier kommen die Punkte, die Mandy doch letztlich nicht über den Durchschnitt heben. Cosmatos überspannt den Bilderbogen mit seinen z. B. nicht notwendigen Graphics, gute 20–30 Minuten hätten im Schnitt beseitigt werden sollen und die wenigen komischen Gimmicks nehmen dem Film etwas die Ernsthaftigkeit und die Härte. Hier hätte Cosmatos auf der subversiven, verstörenden Linie bleiben sollen.

Ein lange gelungener Versuch, als Revenge-Thriller herauszustechen. Und doch in der Gesamtbetrachtung ein ebenso etwas träger Möchtegernarthouse-Trash, den Cage veredelt bzw. ver“roh“delt und in dem Cage auch funktionieren kann, weil man nun doch nicht die ganze Bandbreite des Schauspielens von ihm fordern muss.

Mutig platziert als Eröffnung des diesjährigen Fantasy Filmfestes. Ein Spalter und dennoch genau richtig hier.
Christian
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

14.09.2018, 08:08



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