Climax

Schwerste Körperverletzung

von Christian
Soll man nun Gaspar Noé dankbar sein, dass er das Kino um eine meisterhafte Horrortanzorgie bereichert, oder muss man ihn anschreien für seinen widerwärtigen grenzüberschreitenden Albtrip in die dunkelste Ecke unserer Phantasie? Anyway, Noé is back!

Ein Film über eine Tanztruppe, die nach der Probe ordentlich feiern will. Man stellt sie uns in kurzen Interviewschnipseln vor und dann geht die Party auch schon los. Partyjabbering vom feinsten. Wir erfahren, wer mit wem vögeln will, den dicksten Pimmel hat und welche Sexpraktiken bevorzugt oder noch nie ausprobiert wurden… Es gibt reichlich Sangria und der DJ hat seine Hausaufgaben gemacht. Unsere Mütter haben uns immer gewarnt: Lasst euch nichts in den Drink mischen…

Hier beginnt nun der Trip, den jeder selbst erfahren muss. Die Kombination aus Musik, Tanz, Choreografie, langen Kamerafahrten, schnellem Schnitt treibt uns und saugt uns unter die Tanzglocke. All unsere Sinne werden Teil des Geschehens. Die Musik beschreibt unsere Gefühle mit „Born to be Alive“, „Pump up the Volume“, „Utopia“ oder „French Kiss“, die Tänzer beschreiben sie ekstatisch und die Kamera und das Licht fangen es so sinnlich und perfekt ein, dass wir erleben und spüren dürfen, was hier passiert, aber uns auch der Veränderung nicht mehr entziehen können. Nicht jeder Rausch ist ein guter Rausch. Wir kommen nicht mehr raus, wir erleben Schmerzen, werden verprügelt und dennoch bleibt es schweisstreibend, grenzüberschreitend und erotisch. So wie die Musik von Soft Cell oder der Rolling Stones jeweils auf eigene Art nicht mehr dieselbe ist, sind wir es auch nicht mehr…

Aufgrund aller bekannten Noéschen Spielereien mit Vor- und Abspännen trifft er uns zum Schluss noch einmal mitten ins Mark, wenn er uns von einer Sekunde auf die andere in unsere Welt entlässt. Ich kann nicht mal sagen, ob ich stärker unter Dreh- oder Schwankschwindel den Saal verlassen habe. In jedem Fall gelingt es diesem wahnsinnigen Regisseur mich zu überraschen, zu begeistern, zu elektrisieren, aufzuwühlen, zu verunsichern, anzuwidern und letztlich zu ver- und zerstören.

Vielleicht wissen wir nun auch endlich, was jedes Wochenende im Keller des Berghain in Berlin passiert…

10 Punkte aka 10 Liter Sangria. Ich gehe jetzt zum Spanier.

Meisterwerk!
Christian
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

15.09.2018, 09:26



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