Elizabeth Harvest

Schatten der Vergangenheit

von Frank
Regisseur Sebastian Gutierrez schuf mit ELIZABETH HARVEST einen sehr stylishen Film, bei dem Location Scouts wie Set Designer die perfekte ästhetische Grundlage für die Story geschaffen haben. Die große, moderne Villa aus Glas und Beton ist in einer ebenso kargen wie zeitlos wunderschönen Landschaft angesiedelt und unterstreicht gleichermaßen die Eleganz der von Abbey Lee verkörperten Hauptfigur Elizabeth sowie die kühlen, distanzierten Emotionen der Charaktere.
Die Materialien und Farben im Inneren der Villa sind eine perfekt ausbalancierte Mixtur aus Leder-Applikationen und warmen Holzmöbeln (sogar das Klavier besteht aus dunklem Wurzelholz) und neutralen bis kühlen Elementen wie Glas und Beton. Orchideen sind ein weiterer Spiegel für die Eleganz, aber auch die zerbrechliche Grazilität der Figuren.
Damit bietet das gesamte Setting den perfekten Untergrund für alle Charaktere, die sich elegant und teils orientierungslos durch ihr rätselhaftes Leben bewegen.

Gesättigte Farben sind ein weiteres Merkmal dieser Produktion und passender Weise steigert sich deren Intensität sowie der Gebrauch monochromer Farben mit zunehmender Entwicklung der Story und der emotionalen Entwicklung der Charaktere. In der Tat erinnert er in diesen Momenten stilistisch auch an den letztjährigen REPLACE.
Die ersten 30-40 Minuten haben mich von der Farbgestaltung und besonders vom Rhythmus her (die kleinen rhythmischen Pausen!) an STOKER erinnert.

Ich habe es ebenfalls als nachteilhaft empfunden, dass der Film sein Geheimnis doch recht früh enthüllt, und stimme Alexander zu, dass er dieses Manko wieder gut macht, indem er den weiteren Verlauf sinnvoll nutzt, um bislang fehlende Storyelemente, Charakterdetails, ja das ganze Gefüge durch kluge Drehbuchentscheidungen, eine intelligente Struktur, sinnvolles Editing (Rückblenden) zu erhellen, verständlich zu machen und den Film weiterhin interessant zu gestalten.

Von allen schauspielerischen Leistungen war ich sehr angetan, besondere Bedenken hatte ich anfangs, wie das püppchenhafte, nichtssagende Wesen der Elizabeth Harvest über die gesamte Laufzeit eine interessante Hauptfigur abgeben sollte. Diese Bedenken wurden zerstreut.
Der Score setzt die passenden Akzente, es ist aber keiner von der Sorte, wo nach dem Film noch einzelne Musikstücke in mir nachhallen, die ich nochmal hören müsste.

Sebastian Gutierrez zeigt bereits in der ersten tollen Einstellung (im Auto - ich glaube, es war die erste) seinen hohen Anspruch an die Kameraarbeit und zeigt auch im weiteren Verlauf ein gutes Gespür, z.B. durch den (De Palmarischen) Einsatz von Splitscreen oder einfach nur elegant gewählte Angles. Auffällig ist, dass er sich besonders zu Beginn verweigert, ein komplettes Bild der Szene, der Räume, zu zeigen. Erst im weiteren Verlauf gestattet er der Kamera (und dies auch nicht immer), sich weiter zu öffnen.

Trotz zum Teil kräftig-warmer Farbgebung ist es ironischerweise die weitgehende Unterkühltheit der Protagonisten bzw. das Sujet im allgemeinen, die/das dafür sorgt, dass ein Abstand zwischen dem Geschehen auf der Leinwand und dem Betrachter bleibt, sodass ELIZABETH HARVEST zwar eine eindeutige Empfehlung von mir bekommt, mich jedoch nicht über die gesamte Laufzeit vereinnahmen oder restlos begeistern konnte. Klare 7 Pkt.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

15.09.2018, 16:29



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