Terrified

Buh!

von Frank
Wie um Alles in der Welt konnte dieser Film das dreifache Scary Icon erhalten? Okay, das Creature-Design ist zum Teil richtig scary. Nur macht das noch nicht den ganzen Film. Regisseur Demián Rugna gibt sich jedenfalls in seiner Videobotschaft sehr humorvoll und sympathisch, sodass man ihm gerne einen vollen Erfolg seines Films wünscht. Doch mich hat er leider nicht wirklich in seinen Bann gezogen, geschweige denn geängstigt.

Das liegt zum einen an den mehreren kleinen Schauplätzen und Plots, die aus meiner Sicht für einen leicht wirren und zerstreuten Ablauf gesorgt haben und der Dramaturgie des Films schaden, was sich bedauerlicherweise im weiteren Verlauf nicht ändert.
Wenig hilfreich ist auch die Tatsache, dass Rugna uns mehrere aktive Figuren präsentiert und ständig den Fokus verändert, sodass lange unklar ist, wer bzw. ob es überhaupt so etwas wie eine Hauptfigur gibt. In der Summe empfand ich diese Dinge als störend, denn so gibt es inszenatorisch wie seitens des Drehbuchs immer wieder kleine Brüche im Handlungsablauf und es kann keine intensive Atmosphäre entstehen. Also müssen Jump Scares herhalten, die allerdings gut umgesetzt sind, so wie der gesamte Spannungsmoment meist effektiv von der Kamera eingefangen wird.

Dann ist das Verhalten einer Figur so unbegreiflich, dass ich wiederhole, was bereits in Lizzies Review spoilerfrei angesprochen wurde: Da hat jemand tagelang Todesangst, weil sich Möbel wie von Geisterhand bewegen, entdeckt einen Geist, eine fremde Kreatur, in den eigenen vier Wänden, ja im Schlafzimmer, unterm Bett!, und bleibt dann noch dort; DAS ist wirklich absurd. Da kann er auch gleich einen Untermietvertrag für Kreaturen aus der Schattenwelt aufsetzen.
Es ist natürlich nicht nur dieses Detail selbst das stört, sondern die Tatsache, dass es die Glaubwürdigkeit des Charakters und somit des Films als reinen Horrorfilm oder einen Teil dessen in Frage stellt. Ich schließe daraus allerdings nicht, dass Regisseur Rugna seinen Film nicht ernst genommen hat. Eher vermute ich Schwierigkeiten, ihn tonal auszubalancieren, die Intention richtig zu treffen.

Handwerklich ist TERRIFIED ein grundsolider Geister-Grusel-Paranormal-Creature-"Schocker". Er macht von vielen Close-ups Gebrauch, besonders während der Dialoge, die für mein Empfinden mit zu vielen Worten zu wenig gesagt, dafür aber einiges wiederholt haben, bzw. erklärende Funktion haben sollten, aber letztlich wenig erklärt haben. Daran muss noch gefeilt werden für den nächsten Film. Dafür waren die Dialoge von den Schauspielern gut vorgetragen, wie auch die Kameraarbeit ordentlich und das Sounddesign effektiv.

Ob man dieses Jahr SATAN'S SLAVES bevorzugt oder eben TERRIFIED, könnte zum einen von der kulturellen Präferenz abhängen, also lieber Asien oder Südamerika, und zum anderen davon, inwieweit man Humor in Horrorfilmen wünscht oder toleriert. Während SATAN'S SLAVES gewollt einige leichte humoreske Szenen einbaut, meidet TERRIFIED dies, schafft allerdings (ungewollt?) einige absurde erzählerische Details, die ihn zuweilen gefährlich nahe an eine Parodie rücken.

Unterm Strich fand ich TERRIFIED trotz obligatorischer Jump-Scare-Aufschreie und scary Creature-Design nicht wirklich spannend oder Angst einflößend. Obwohl sich die Herangehensweise von einigen anderen Genrevertretern unterscheidet, habe ich mich zeitweise sogar gelangweilt. Etwas anders zu sein reicht eben nicht allein für den großen Wurf. Doch es gibt interessante handwerkliche Ansätze, sodass ich seinem angekündigten nächsten Film eine Chance geben würde. Knapp über dem Durchschnitt.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

23.09.2018, 14:20



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