Den Dänen ist wohl nichts heilig. Mit Brachialgewalt lässt Anders Thomas Jensen hier Gegensätze aufeinander prallen, die unterschiedlicher nicht sein können. Und es ist natürlich schon ein Heidenspaß zu sehen, wie ein Neonazi die Aufforderung des Pfarrers "Du, das müssen jetzt mal in aller Ruhe ausdiskutieren" versteht. Jensens Figuren sind aber nur auf den ersten Blick Karikaturen - er nimmt seine Protagonisten und ihr Handeln durchaus ernst.
Dabei hat man fast schon Mitleid mit dem Pfarrer, so viel grenzenloses Gottvertrauen und Glaube an das Gute muss einfach in einer Sackgasse enden. Angesichts der penetranten Naivität gönnt man ihm fast die Konfrontation mit dem personifizierten Bösen und hofft, dass er endlich im Leben ankommt.
"Adam's Apples" ist eine wunderbare, sehr menschliche Komödie. Kein pubertäres Gagfeuerwerk, sondern genau beobachtet, mit einem Blick für menschliche Schwächen und Fehler, über die man lachen kann, aber die nicht lächerlich gemacht werden. Und: es gibt Situationen, in denen der Zuschauer mindestens genauso fassunglos ist wie Neonazi Adam.
Es scheinen ausgerechnet die Dänen zu sein, denen es vorbehalten ist, ernsthafte Filme über den Glauben zu drehen, ohne dabei in Kitsch zu verfallen oder gar gleich einen Bekehrungsversuch zu starten. Lars von Trier etwa zeigte mit "Breaking the Waves", wie so etwas aussehen kann, Anders Thomas Jensen nun geht einen VÖLLIG anderen Weg, kommt aber etwa zum gleichen Ergebnis. |