crazy

American Animals

What Keeps You Alive

von Janina Himmen
Wofür lohnt es sich, kriminell zu werden? Für Geld? Oder dafür, einmal im Leben ein richtig großes Abenteuer gehabt zu haben, das einen für später inspiriert?

Mit Filmen, die auf wahren Begebenheiten beruhen, habe ich normalerweise meine Probleme. Häufig habe ich mich z. B. bei Biopics schon übertrieben darüber geärgert, wenn bestimmte Dinge der puren Dramatik wegen verfälscht oder komplett dazu erfunden wurden - obwohl das natürlich immer so ist. Ich fühle mich dann trotzdem hinters Licht geführt, weil ich mir den Film doch eigentlich angesehen habe, um mehr über etwas zu erfahren, was sich wirklich so zugetragen hat. Wenn man es damit nicht genau nimmt, sehe ich mir lieber eine richtige Dokumentation an.

AMERICAN ANIMALS vereint nun beides: Einen Spielfilm, der auf einer wahren Geschichte beruht. Und eine Dokumentation. Zwischen den nachgespielten Szenen kommen immer wieder die echten Menschen zu Wort. Man sollte sich das aber nicht vorstellen, wie bei irgendwelchen schnell heruntergedrehten Doku-Reihen über Kriminalfälle, in denen Laienschauspieler eher wenig filmreif nachstellen, was passiert ist. AMERICAN ANIMALS ist ein erstklassig gefilmter Heist Movie und punktet nicht nur mit überzeugenden Schauspielern, sondern auch mit guter Kameraarbeit und Musik. Hier passt einfach alles. Man hat nicht das Gefühl, eine Doku mit eingeschobenen Filmszenen zu sehen, sondern einen Film, dem die Kommentare der Beteiligten eine zusätzliche Ebene verleihen. Und alles fügt sich überraschend gut zusammen.

Was mir außerdem sehr gefallen hat, ist, dass mein persönliches Problem ernst genommen wird, das ich damit habe, wenn Filme einen auf "so war es!" machen. AMERICAN ANIMALS zeigt offen, dass das, was wir sehen, nicht genau dem entspricht, was sich damals zugetragen hat. Denn selbst die Erinnerungen derer, die dabei waren, unterscheiden sich teilweise extrem voneinander. Diese Ehrlichkeit ist mir sehr sympathisch. Natürlich sollte man sich dessen sowieso immer bewusst sein, aber es ist trotzdem schön, wie es hier eingebaut wurde.

Zur Handlung an sich möchte ich gar nicht zu viele Worte verlieren, aber obwohl ich Heist Movies sonst wenig abgewinnen kann, war ich durchgehend gefesselt. Nein, das ist sicher nicht der Kriminalfall des Jahrhunderts. Aber er ist echt und der Film funktioniert nur deshalb, weil man die "Gangster" sympathisch finden kann. Es gibt eine Menge zu lachen, auch wenn vor allem gegen Ende die Stimmung ziemlich kippt.

AMERICAN ANIMALS ist nach DER BLENDER (The Imposter) erst der zweite Film des Regisseurs Bart Layton, aber ich bin schon gespannt, was er uns als nächstes präsentieren wird. Schon sein Erstlingswerk hat mir sehr gefallen und mit AMERICAN ANIMALS hat er jetzt bewiesen, dass er kinoreife Bilder liefern kann. Bisher mein Lieblingsfilm von diesem Fantasy Filmfest Jahrgang!
Janina Himmen
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt - Original-Review

26.09.2018, 20:36



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