The Cannibal Club

Club der toten Wichser

von Frank
CANNIBAL CLUB hat meine aufgrund des Trailers sehr niedrigen Erwartungen erfreulicherweise übertroffen.
Auf den ersten Blick ein erotischer Kannibalen-Horrorfilm, doch überraschenderweise hat er mehr zu bieten als die drei Sexszenen (mehr waren es leider nicht) und ein paar gorige Kills. So ist er in erster Linie eine satirische Aufarbeitung der sozialen Zustände in Brasilien. Dabei hat der Film grundlegend ein gutes Gespür für seine Themen (einige Schlagworte sind z.B. Sexualität/ Geschlechterbilder/Machoismus/Waffen) und überrascht positiv mit einigen durchaus tiefsinnigen Dialogen mit herrlich trockenem tief-schwarzen Humor. Immerhin sind die Schauspielleistungen des Casts bzw. der Hauptdarsteller(in) solide (die Chemie zwischen ihnen sogar richtig gut), und mitunter gelingt ihnen sogar ein selbstironischer Blick auf die verkörperten Figuren. Wenn es hier Overacting gab, dann war dies, zumindest bei den Hauptdarstellern, so gewollt.

Cool fand ich den Bass-starken, sleazigen Soundtrack mit klaren Sounds, der CANNIBAL CLUB Atmosphäre und eine individuell prägende Note verleiht.

Insgesamt sicher nichts Großes, weitgehend spannungsarm, mit unspektakulärer Kamera. Auch bin ich kein Freund von solch ausstattungsarmen, sparsam-kargen, ja irgendwie lieblos wirkenden Sets, wobei man ihm sein Budget von lediglich 250000 Euro zugute halten kann. Aber in manchen, nicht wenigen Momenten zaubert CANNIBAL CLUB doch ein vergnügtes Grinsen aufs Gesicht, denn das Zusammenspiel von Dialog und Schauspiel funktioniert hier, wie auch der reduzierte Soundtrack. Letztlich offenbart er mehr Intelligenz als man ihm anfangs zubilligen möchte. Ich finde, dass der der Film vom Unterhaltungswert auch dann konsumierbar ist, wenn man keine Kenntnis von der sozial-politischen Situation des Landes hat.

Der Vorfilm LATCHED gefiel mir übrigens ziemlich gut. Sah hochwertig aus, war humorvoll und relativ spannend. Bin kein Freund von Vorfilmen. In Punkten war der aber eigentlich noch besser als der Hauptfilm. 6,5-7. Bin's nicht gewohnt, Kurzfilme zu schauen, geschweige denn zu bewerten. Für den Hauptfilm gebe ich ganz knappe 6,5 Punkte.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

27.09.2018, 01:17



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