crazy

Border

Phantastische Tierwesen...

von Dr_Schaedel
Eines steht fest: Den Oscar für den besten fremdsprachigen Film wird BORDER nicht bekommen. Und wenn, wird er einst womöglich derjenige Preisträger in dieser Kategorie sein, der den wenigsten Zuschauern im prüden Amerika zugänglich gewesen sein wird. Zu offensiv wird hier mit Sexualität und allerlei heißen Eisen umgegangen.

Aber der Reihe nach:
Die Zollbeamtin Tina ist alles andere als eine Schönheit, ja, man könnte sie als missgebildet bezeichnen. Das bringt ihr am Arbeitsplatz allerlei unschöne Kommentare ein, aber dies wird wettgemacht durch berufliche Erfolge, die sie ihrer außergewöhnlichen Gabe verdankt, Emotionen und sogar Schmuggelgut wittern zu können. Ihr privater Alltag ist von Eintönigkeit und Einsamkeit geprägt, ihre einzigen sozialen Kontakte sind die Nachbarn, ihre eher als Zweckgemeinschaft fungierende Beziehung zu dem Proleten Roland, der sich in ihrem Haus breitgemacht hat, und die Tiere des Waldes, zu denen sie sich seltsam hingezogen fühlt – und umgekehrt.

Alles ändert sich, als der ebenso missgestaltete und ungleich selbstbewusstere Vore an der Grenze auftaucht und für erhebliche Verwirrung sorgt. Durch ihn erfährt Tina einiges über ihr eigenes Wesen und erlebt zum ersten Mal auch das Gefühl des Verliebtseins. Doch alles verkompliziert sich, als die Kriminalpolizei bei Tina anklopft und sie wegen ihrer Fähigkeiten um ihre Mithilfe in einem äußerst hässlichen Fall von organisiertem Verbrechen bittet.

Was Eva Melander hier an schauspielerischer Leistung abliefert, ist schlichtweg der Hammer: Mutig, wuchtig, hypnotisch ist ihr Spiel. Und ihr Kollege Eero Milonoff, obgleich er nicht ganz so viel Raum zur Verfügung hat, steht ihr in nichts nach. Den beiden sind auch mindestens zwei der hier vergebenen Sterne gewidmet.

Die Geschichte wäre ohne diese beiden Hauptdarsteller zwar immer noch originell, denn bald ist klar, dass Tina und Vore nicht einfach unter einem Gendefekt leiden, sondern ganz besondere Lebensformen sind, aber doch erheblich konventioneller. Ein wenig unbefriedigend sind zwei Dinge: Erstens, dass das Umfeld von Tina an der Grenze ein bisschen zu kurz kommt (z. B. der Umgang der Kollegen mit ihr) und zweitens, dass Vore eine Schlüsselrolle in ausgerechnet dem Fall spielt, den Tina bearbeitet, auch wenn das Ganze einer gewissen inneren Logik folgt. Dennoch, ein etwas allzu großer Zufall, meiner Meinung nach.

Tja, wie soll man BORDER bewerten? Ein origineller und hinreißend gespielter Fantasy-Film mit Krimi-Elementen made in Europe, filmisch eher nüchtern, aber ansprechend gemacht, vor allem die Maske.
Ein Film, der es verdient, geschaut und gemocht zu werden, wenngleich kein künftiger Klassiker.
Dr_Schaedel
sah diesen Film im Cinecitta', Nürnberg

01.10.2018, 23:18



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