Bomb City

Let’s have a war

von Dr_Schaedel
Eins vorweg: BOMB CITY (der Titel hat nichts mit der Handlung zu tun, sondern spielt auf den Schauplatz Amarillo, Texas, an, zu dessen größten Arbeitgebern die dort ansässige Atomwaffenindustrie gehört) zählt sicher zu den gelungeneren Filmen über die Punk-Szene in den USA. Zwar etwas cleaner als Penelope Spheeris’ SUBURBIA (1984), aber respektvoller als Alex Cox’ REPO MAN (ebenfalls 1984), der die Punks eher als tumbe, aber liebenswerte Knallköpfe darstellte, zeichnet BOMB CITY sicher kein komplett unrealistisches, wenngleich ebenfalls mitunter kitschiges Bild der US-Punk-Szene, die sich von der euopäischen in der Tat darin unterscheidet, dass man dort eher Gang-artige Strukturen vorfindet, während sich die Szene auf unserem Kontinent doch eher durch Lethargie, Vereinzelung und Selbstunbrauchbarmachung auszeichnet.

Leider nimmt sich der Film erst einmal eine Dreiviertelstunde Zeit, die Punks als die "noble savages" einzuführen. Recht kumpelig geht es zu, ständig wird ge-hi-fived, man liebt Kinder und Hunde, lebt in Harmonie mit den Eltern (die doch zur geschmähten, dumpfen middle-class gehören), Regelübertretungen und Kleinkriminalität werden regelrecht hochstilisiert, und natürlich nimmt niiiieemand Drogen oder hat einen an der Waffel, außer dem Heißsporn Ricky.
Das ist umso mehr nerviger, als man in der Zeit zum Beispiel ein bisschen mehr über die Figur des (realen) Brian Deneke hätte sprechen können, und zwar nicht nur in seiner Eigenschaft als Punk, sondern auch als Pionier subversiver Street Art in den späten 1990ern.

Die Highschool-Kids werden auf der anderen Seite schnell als konsumgeile, durchtriebene Poser eingeführt. Nein, so einfach ist es auch nicht, Mr. Brooks! Vor allem nicht, wenn man einen wahren Fall erzählen will und über Gerechtigkeit und Gleichheit schwadroniert. Und wenn zunächst aus dem Off und dann im Bild der an sich durchaus nicht dumme Marilyn Manson über den Fall spricht, schießt er ebenfalls etwas am Thema vorbei, wenn er von einer Art Hatecrime spricht, wohingegen der Plot eher von einer Eskalation von Gewalt und Gegengewalt berichtet, wo sich dann niederste Triebe Bahn brechen, wenn die Gelegenheit günstig ist.

Tja, was gibt’s noch zu sagen? Ein sicherlich spannendes und nicht sehr optimistisches Jugend- und Gerichtsdrama, bei dem auch wieder die Frage nach der Berechtigung der Platzierung auf dem FFF erlaubt sein muss. Denn auf phantastische Art verfremdet ist hier nichts, und wirklich in seinen Grundzügen weird ist hier auch nichts. Daher danke fürs Zeigen, aber nächstes Jahr will ich einmal ein wenig abseitigere Geschichten zur harten Musik haben.
Dr_Schaedel
sah diesen Film im Cinecitta', Nürnberg

02.10.2018, 00:08



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