Destroyer

Du warst niemals wirklich da!

von Leimbacher-Mario
Ein wenig „Chinatown“ weht durch Karyn Kusamas neuesten Streich: Eine völlig kaputte und verbrauchte Nicole Kidman geht als Polizistin in der Stadt der Engel eigene Wege, getragen vom Gedanken der Rache und der Schuld... Nachdem sich Regisseurin Kusama mit dem völlig unterschätzten „The Invitation“ vor ein paar Jahren wieder in die erste Reihe der weiblichen Hollywood-Regisseurinnen dirigiert hat, Kidman sich ja eh gerne hässlich macht und Revenger à la „Taken“, „Mandy“ oder „You Were Never Really Here“ anscheinend nie aus der Mode kommen, war mit „Destroyer“ alles angerichtet für einen erbarmungslosen, sonnendurchfluteten Noir-Thriller in den dreckigeren Ecken von Los Angeles...

„Destroyer“ ist ein Brett. Kann man nicht anders sagen. Die Kidman legt sich voll rein, was nicht anders zu erwarten war, doch auch das Gesamtbild stimmt. Die Atmosphäre ist tickend (explodiert aber leider nie!), die Nebenrollen sind exzellent besetzt und der Style ist heiß. Manchmal hatte ich fast das Gefühl, dass es im Kino auch minütlich wärmer wird. Die Stimmung kocht, unter der Oberfläche brodelt es, tiefster Hass und nicht abschüttelbare Schuld liegen über den flirrenden Straßen L.A.'s. Wenn es knallt, dann blutig und brachial, doch die meiste Zeit wird gebrodelt, gebrütet, geballt. Und zwar die Faust in der Tasche. Man ahnt zwar, wo es hinläuft und Kidmans Figur ist schon überdeutlich angelegt, doch der Weg dorthin lohnt sich. Selbst wenn ein paar Kürzungen vielleicht nicht geschadet hätten und die Geschichte hinter der versierten Oberfläche doch arg dünn ist.

Fazit: Die Kidman zerstört, opfert sich auf und gibt alles. Dieser Neo-Noir-Revenger ist roh, ungeschliffen und kochend, hat nichts mehr zu verlieren. Stylisch, ausweglos und düster. Trotz L.A. Sonnenschein. Dennoch: Ein paar Minuten weniger, ein paar Höhepunkte mehr und fertig wäre ein moderner Klassiker. So bleibt stoischer Schnitt, durch seinen hingebungsvollen Star und feine Regie spektakulär angehoben.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

21.01.2019, 02:00



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