Lords of Chaos

Hier riecht's nach Tod

von Leimbacher-Mario
„Lords of Chaos“ erzählt die wahre Geschichte der legendären norwegischen Metalband Mayhem und die mit ihr zusammenhängenden Straftaten, von Kirchenverbrennungen bis zu Morden, mit denen sie seit Anfang der 90er in Verbindung gebracht werden... „Lords of Chaos“ ist (zumindest in der ungeschnittenen Version, die auf dem Fantasy Filmfest lief) alles andere als leichte Kost. Eher ein Stein, ein Felsbrocken im Magen. Und dafür muss man weder die Band noch die Musikrichtung zu seinen Lieblingen zählen. Der Film spricht für sich selbst und ist absolut universell mitreißend. Durch die Bank stark gespielt, exzellent inszeniert (als Mix aus Drama, Biopic und Horror), soundtechnisch alles abreißend und wie gesagt alles andere als handzahm, trotz immer wieder durchschimmerndem dunklen Humor. Selbst die fiesesten Geschichten und das böseste echte Leben können auch lachen, augenzwinkernd und sich selbst witzig widersprechen - ist nun mal so und das macht dieser Genremix ziemlich feinfühlig und stark. Ob „Lords of Chaos“ jetzt bei jedem Metalfan ankommt und ob sich wirklich haarklein an die Wahrheit gehalten wird, sei mal dahingestellt, doch schon zu Beginn macht Akerlunds Real-Life-Schocker ja schon klar, wohin die Reise geht und dass das keine trockene Nacherzählung wird...

Danach musste ich erstmal im Sessel sitzen bleiben, derart hineingedrückt und geplättet war ich. „Lords of Chaos“ ist schockierend echt und echt schockierend. Und daran ändern auf den ersten Blick fragwürdige Besetzungscoups rein gar nichts. Ganz im Gegenteil, überraschen Cohen, Culkin und sogar ein Ochsenknecht durchgehend positiv. Vor allem Emory Cohen und Rory Culkin spielen ihre gegensätzlichen Parts mit einer Inbrunst und Leidenschaft, dass sie mit ihren Rollen verschmelzen. Vor allem Cohen war in „Brooklyn“ so ein Lieber und ist in echt ebenfalls ein Darling - hier spielt er eine derart unberechenbare Bedrohung, dass ich meinen eigenen Augen nicht trauen wollte. Die Figuren sind allesamt ambivalent, das Tempo kennt keine Längen und die Aussagen und Denkanstöße zur Metalszene und Images allgemein, sind beachtlich. Ein Herzensprojekt, das spürt man. Gegen Ende wird es dann sogar nochmal richtig emotional, egal wie ungern das ein satanistischer Headbanger auch hören mag. Der Film hat mich mit Haut und Haaren gekriegt, durchgerüttelt und Spuren hinterlassen. Vor allem durch seine Vermischung von Gewalt, Realität, krachender Musik und aufopferungsvollem Schauspiel. Authentisch, laut, hardcore. Bremsen oder Auffangnetze sucht man vergebens. Ich glaube, das wird ein Publikumsliebling.

Fazit: Eine unfassbare, wahre Geschichte, die schockiert, berührt und lehrt. Über Show, Poser, Rivalität, den Tod und die Geister, die ich rief. Ein sofortiges Essential für jeden Metalhead. Und für jeden Filmfan ebenso. Eine brisante Charakterstudie aus Dunkelheit und Licht, die keinen kalt lassen kann.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

21.01.2019, 01:58



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