The Field Guide to Evil

Mythen, Mysterien & Mumbo Jumbo

von Leimbacher-Mario
Ich bin ein wahrer Fan von Omnibus-Horror à la „VHS“ oder „Southbound“. Egal ob den zwei „ABCs of Death“ oder Klassikern wie „Creepshow“, ich habe sie alle und viele davon ins Herz geschlossen, freue mich auf das diesjährige Weihnachten wegen „Deathcember“ noch mehr als sonst und war auch auf den eleganten Episodenhorror „The Field Guide to Evil“ sehr gespannt. Vor allem da die Richtung eher zu Arthouse neigt, ungewöhnlich für Episodengrusel, die mystisch angehauchten Themen klasse klingen und es satte 8 Kurzfilme aus ebenso vielen Ländern wurden. Von kannibalistischen Wasserköpfen bis zu infektiösen Ratten war alles aufgetischt...

Leider ist das Endergebnis ernüchternd. Langatmig, nur zu Beginn schaurig, meist eher wie misslungene Experimente wirkend. Da hätte man sich bei den Regisseuren und Namen eindeutig mehr versprochen. Als Abschlussfilm in Köln auf den diesjährigen White Nights des Fantasy Filmfests gab es sogar zahlreiche Walkouts, die ich zum Teil sogar verstehen kann. Selbst wenn ich persönlich nicht ganz so viel Fassungslosigkeit und Wut während der tristen zwei Stunden aufgebaut hatte, um mich vorzeitig aus dem Kino zu bewegen. Ganz abgesehen davon, dass ich das allgemein nicht mache.

„The Field Guide To Evil“ möchte man selbst hartgesottene Anthologie-Anhängern wie mir eigentlich nicht empfehlen. Hier überwiegt der Schatten eindeutig - und das nicht im gewollten, positiven Sinne...

Österreich - Die Trud
6,5/10
Von den Machern von „Ich seh, Ich seh“ kommt der beste Teil der Anthologie gleich zu Beginn - eine gruselige Sage aus den Alpen über die gefürchtete Trud, die kommt, wenn man gesündigt hat... Es sei denn, man weiß sich, besonders als gerade erwachende und erblühende Lesbe, zu wehren. Zieht sich, lohnt sich aber noch am meisten und erinnert etwas an „The Witch“. Legt die Latte leider zu hoch für alles Folgende.

Türkei - The Childbirth Djinn
5,5/10
Der Macher von „Baskin“ lässt einen Ziegendjinn (?!) über eine junge Mutter hineinbrechen... klassisch, ein paar ansatzweise gruselige Momente und eine creepy old Lady. Wieder kommt die Ziege nicht gut weg... Noch solide.

Polen - The Kindler and the Virgin
4/10
Über die Gier nach Macht und das Essen von Herzen... habe ich weder wirklich verstanden noch wirklich gemocht. Bis auf ein paar Bilder und Farbfilter. Und menschliche Innereien zu essen wirkt nie gerade einladend und erhöht den Würgereflex drastisch...

USA - Melonheads
4/10
Der straighteste und simpelste Beitrag über kindliche Wasserköpfe, die sich in den nördlichen Wäldern der Staaten aufhalten sollen... Minimal unterhaltsam, etwas zum Fremdschämen, künstlerisch völlig anspruchslos (im Gegensatz zu seinen Kollegen).

Griechenland - Whatever Happened to Panagas the Pagan?!
3,5/10
Typisch griechisch, von Wein, Weihnachten und... Goblins?! Bizarr, unfreiwillig komisch und super wirr. Audiovisuell farbenfroh und lässig, der Rest ist Müll.

Indien - The Palace of Horrors
5/10
Der schwarz-weiße Look samt eingeschobener „La Jetee“-Gedenkfotos stimmt, wäre er oft nicht viel zu dunkel... Über einen Palast der monströsen Auswüchse als Tor zur Hölle? Neugier wird bestraft? Hochmut kommt vor dem Fall? Keine Ahnung was das sollte. Interessant - wenn man großzügig ist.

Deutschland - A Nocturnal Breath
3/10
Ein paar nette Bilder, der Rest ist Tiefpunkt. Über eine übel computeranimierte Ratte und ein inzestuöses (?) Geschwisterpaar?! Ein Satz mit X. Außerdem kaut er Dinge wieder, aus dem weit überlegenen Beitrag der Österreicher.

Ungarn - The Cobler‘s Lot
6/10
Auf Peter Strickland ist Verlass: eine Art Stummfilm, exzentrisch und irgendwo zwischen Murnau und Grimm. Über zwei Schuhmacher und Brüder, die beide in die Prinzessin verknallt sind... Kreativ und künstlerisch wertvoll. Mit seltsamem Fußfetisch.

Fazit: Der Eurovision Song Contest unter den Horror-Anthologien. Bunt, experimentierfreudig, exotisch... aber meistens doch sehr blöd und daneben. Bei acht Stories keine einzige dabei zu haben, die als wirklich „gut“ durchgeht, ist schon ein Armutszeugnis. Der Arthouse-Anstrich geht hier meist daneben und Spannung wird schmerzlich vermisst. Nur sehr spärliche Lichtblicke, eher zu Beginn. Abwechslungsreich aber gleichbleibend kacke und zäh.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

21.01.2019, 02:47



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