The Nightshifter

Ich spreche tote Menschen

von Leimbacher-Mario
Im brasilianischen „The Nightshifter“ hat der gute Stenio, ein noch recht junger Mitarbeiter im Leichenschauhaus, das fragwürdige „Talent“ mit seinen „Patienten“ zu reden. Diese überlassen ihm oft das ein oder andere Geheimnis. Doch als er irgendwann eines dieser Geheimnisse der Toten zu seinem eigenen Vorteil nutzt, lastet eine Art Fluch auf ihm und seiner Familie, dem er kaum entkommen zu können scheint... Brasilien scheint im Aufwind zu sein, was Genrefilme angeht. Und „The Nightshifter“ ist da keine Ausnahme. Die leider mit grauenhaften Computereffekten generierten sprechenden Leichen sehen zwar absolut nicht gelungen aus, doch dafür zaubern ihre schallend-tiefen Stimmen immer wieder eine Gänsehaut in den Nacken. Zudem verbindet diese gruselige Familiengeschichte Armut mit Tragik und trägt eindeutig brasilianischen Flair vor sich her. Und zwar nicht den von Samba in Rio oder der sonnigen Copacabana, sondern eher den der Abgründe, Schatten, Schuld und Hoffnungslosigkeit.

Moralität und Mortalität liegen hier ganz nah beisammen. Vor allem der Hauptdarsteller macht seine Sache solide und gegen Ende wird dann nochmal schön aufgedreht, sodass sich das Warten durch eher ruhige, menschliche Passagen lohnt. Außerdem gibt es einige feine Farbspielereien, selbst die Kinderdarsteller fallen nicht ab und das Szenario wirkt noch frisch genug, trotz etlicher Grusler aus den letzten Jahren, die in Leichenkellern spielten. „The Nightshifter“ wirkt bodenständiger und brasilianischer und beklemmender. Als ob man den unausweichlichen Schluss schon kennt, dahin aber eigentlich gar nicht will... Leider dauert der Weg dorthin um einiges länger, als er es hätte müssen. Oder ist man darüber als Zuschauer sogar froh? Außerdem fehlen die ganz großen Angstspitzen und tonal gibt es seltsame Schwankungen. Audiovisuell ist das auch noch lange nicht Hollywood, was aber ja auch nicht immer sein muss und sympathisch echt wirken kann.

Fazit: Eine düstere Seite der Copacabana - „The Nightshifter“ ist atmosphärisch, gut gespielt und bekommt einen Exotenbonus. Zudem hat er sehr menschliche, emotionale Züge und eine reizvolle Prämisse. Leider kränkelt das Gruseldrama unter einigen Längen, überforderten Spezialeffekten und einem einfallslosen Ende. Dennoch bleibt der Daumen leicht nach oben geneigt.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

15.04.2019, 01:14



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