Ruben Brandt, Collector

Ruben Brandt, Blender

von Alexander
Der Einfallsreichtum und die Ideenvielfalt dieses Anime sind sicherlich bemerkenswert. Ruben Brandt entfesselt einen psychedelischen Strudel und zieht den Betrachter hinein in einen animierten Alptraum, der in seinen stärksten Momenten an eine Mischung aus „Yellow Submarine“ und einen Film Noir aus der Mystery-Ecke erinnert. Hier wurde wie besessen an einer künstlerischen Vision gearbeitet, die optisch stellenweise wirklich zu beeindrucken weiß und obendrein noch mit einem innovativen Soundtrack unterlegt ist.

Trotzdem wirkte der Film auf mich zeitweise aber langatmig und die zahlreichen Charaktere blieben oft seltsam blass und schwach. Und wenn ich auch ein großer Fan guter Animes auf dem Filmfest bin, da sie ohnehin verhältnismäßig selten zu sehen sind, bleiben generisch montierte Actionszenen und Verfolgungsjagden, wie man sie schon tausendmal zuvor auf der Leinwand gesehen hat, leider relativ langweilig und auf Dauer ermüdend, und wenn sie noch so künstlerisch in Szene gesetzt sein mögen.

Und genau das ist auch mein größtes Problem mit dem Film: Kratzt man an der kunstvollen, berauschenden Oberfläche, so findet sich leider eine nur leidlich unterhaltsame Story, die mich in Teilen sogar wirklich langweilte. Irgendwie hatte ich das Gefühl das hier etwas fehlt, sich die Geschichte zu häufig in sich wiederholenden, stereotypen Actionszenen und Oneliner-Phrasen aus der Retorte jüngerer Hollywood Streifen bedient, und es auch etwas an der Tiefe bei den Charakterzeichnungen mangelt. Und unter den mehr als bizarren Figuren finden sich auch keine wirklichen Sympathieträger, so das es einem letzten Endes egal ist, wie die Geschichte ausgehen mag.

Ich mag eigentlich nicht den in letzter Zeit so häufig bemühten Satz „Style over Substance“ zitieren, er drängte sich mir hier aber zwangsläufig auf und es ist bedauerlich, dass eine so innovative Grundidee die mit so viel Liebe zum (zeichnerischen) Detail umgesetzt wurde, dann so seltsam oberflächlich erzählt wird, als handele es sich dabei um eine kommerzielle TV-Produktion für Kinder. Mir fehlte hier die der Geschichte eigentlich geschuldete große Emotion, die Wucht der Bilder wollte nicht recht zum Rest passen. Schade eigentlich.

Bleibt die Frage: Was sollten die Schnecken?
Alexander

25.04.2019, 15:37



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