Dragged Across Concrete

Vom Leben ins Knie gefickt

von Alexander
Craig Zahler bekommt von mir die allerhöchste Anerkennung dafür, das er sich in Zeiten, in denen die aalglatte Political Correctness allgegenwärtig zu sein scheint, und jene Zeitgenossen, welche sie verachten mitunter vom Mob gejagt werden, wie vermeintliche Kommunisten in den USA der McCarthy - Area (was im Film auch herrlich zitiert wird) einfach nur einen Dreck um angepassten Konformismus schert.

Zahler ist das Gegenteil des um alle Ecken und Kanten beraubten, sich anbiedernden, angepassten neuen Mainstream-Hollywood, diese Message quillt seinem neuen Meisterwerk aus allen Poren, ist in jeder der vielen Filmminuten dieses zwar überlangen, aber auch im Übermaß unterhaltsamen Films zu spüren, der mit seinen langen Steadycam-Einstellungen und dem coolen Oldschool-Soundtrack mitunter wirkt, als wäre er aus den 70ern herausgefallen.

Ein mit verlebtem Gesicht und Schnauzer kaum wiederzuerkennender Mel Gibson und ein als Italoamerikaner aufspielender Vince Vaughn sind als eines der abgefucktesten Cop-Duos der Filmgeschichte einfach nur grandios besetzt. Was hier an herben Sprüchen und unkorrekten Sätzen zweier vom Leben desillusionierter Cops im Minutentakt rausgehauen wird, erinnert an die besten Momente in einem Film von Tarrantino, geht allerdings noch weit darüber hinaus, treibt es auf die Spitze und haut mit seiner Message voll auf die Zwölf.

Denn „Dragged Across Concrete“ ist im Kern ein ernstes Copdrama, ein Film, der stellenweise so weh tut, das man zwangsläufig das Gesicht verzieht. Kaum zu glauben das man dann auch immer mal wieder über die Coolness der Bullen lachen kann, doch sind diese Stellen rar gesät und tragen kaum zur Erheiterung des Zuschauers bei, dem diese überaus harte, brutale und erbarmungslose Geschichte ganz bestimmt nahe gehen wird, sofern er noch nicht vollends abgestumpft ist.

Und wenn dann irgendwann ein Schwarzer die Weißen „Nigger“ nennt, wird „Dragged Across Concrete“ vollends auf den Kopf gestellt, gipfelt in einem Ende, das einem zunächst die Faust in den Magen rammt und dann vielleicht doch noch ein zynisches Lächeln auf die Lippen zaubert. Genialer Stoff.
Alexander

14.05.2019, 10:06



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