Darlin'

Not everybody's darling

von Alexander
Die Idee der fast aufs Tier reduzierten, wilden Frau, die ganz plötzlich und wie aus dem Nichts in unsere Zivilisation einbricht, ist nicht neu. Wir kennen das bereits aus „The Woman“, aber auch (gute) Filme wie „Wildling“ oder der viel ältere „Nell“ thematisierten die Grundidee, die von „Darlin‘“ eigentlich nur neu aufgegriffen und variiert wird.

Der Film ist dabei nie wirklich schlecht, leider aber auch nur selten richtig gut. Zum gefühlt hundertsten Male sehen wir den finster dreinblickenden Pfaffen einen auf „Exorzist“ machen und rollen dabei die Augen nach oben, weil wir eigentlich keinen Bock hatten, auf noch einen Film, in dem ein Geistlicher einer jungen Frau den Teufel aus dem hübschen Leib austreiben möchte.

Und wenn hier auch die für das Filmfest obligatorische Polyanna drinsteckt, bleibt „Darlin‘“ in Teilen dennoch reichlich blass, und dies nicht nur rein optisch. Es herrscht über weite Strecken die gepflegte Langeweile in einer recht kruden Story, die es immerhin schafft, die Aufmerksamkeit des Zuschauers durch ein paar blutige Metzgerszenen immer wieder auf sich zu ziehen, bevor man gänzlich im Kinosessel eingenickt ist. Denn Kannibalismus ist natürlich auch ein Thema. Eines von eigentlich viel zu vielen.

Garniert wird das fahrige Script mit unpassend (und unfreiwillig) komischen Einspielungen, einem seltsam deplatziert wirkenden Soundtrack und einer konfus wirkenden Nebenhandlung von vornehmlich weiblichen Street-Bums, die man genauso gut auch hätte weglassen können, ohne das sich irgend etwas an der Geschichte geändert hätte.

Doch damit nicht genug, oh nein! Ganz im Sinne des herrschenden Zeitgeistes soll oben drauf auch noch Sozialkritik geübt werden, was im Sinne einer Kirche, die vor ihren jungen Schäfchen nur allzu gerne die Hosen herunterlässt als Kritik sicherlich gut gemeint ist, nur ist gut gemeint eben nicht immer gut gemacht.

„Darlin‘“ scheint irgendwie alles zu wollen, aber nichts wirklich zu können. Ein merkwürdiger Film, kurz an der Katastrophe vorbeigeschrammt und irgendwie sinnlos bis überflüssig. Für die stellenweise kurzweilige Unterhaltung und wegen der guten Hauptdarstellerin gebe ich trotzdem mal 4 sehr gut gemeinte Gnadenpunkte.
Alexander

21.08.2019, 08:59



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