Tone-Deaf

Das etwas andere Amerika, oder?

von Alexander
Richard Bates jr. lässt erneut die Leinwand qualmen, dass es eine Lust ist. Schon sein irrwitziger „Excision“ konnte mich seinerzeit dermaßen begeistern, dass ich damals schon die hier selten zu vergebene Höchstpunktzahl von 10 Sternen proklamieren musste.

Und auch mit „Tone Deaf“ bleibt er seinem Stil treu, alberne Situationskomik mit subtilem Humor und einem grotesk-blutigen Horror in einer aberwitzigen Symbiose zur perfekten Unterhaltung zu paaren.

Das kommt dann rüber wie eine Art auf Niveau hochgepumpter Fun-Splatter mit grandiosem Dialogwitz und herrlich albernen Szenen. Ein richtig bös enthemmter Schwachsinn mit einer superben Amanda Crew als total verpeilte Mittzwanzigerin der Generation-Y in einer vollkommen absurden Story, die man am besten noch als Persiflage auf Hitchcocks Meisterwerk „Psycho“ interpretieren könnte.

Denn „Bates Motel“ (nettes Wortspiel) stand hier mit Garantie in so mancher der irren Szenen Pate. Alfred mag sich vielleicht in seinem Grabe umdrehen, aber mir hat das unglaublich gut gefallen.

Und wenn sich der seine Rolle einfach nur perfekt spielende Robert Patrick grimmig und mit bösem Blick immer wieder dem Zuschauer zuwendet und seinen Abscheu auf die junge Generation und deren Lebens-Stil in die Kamera speit, dann fühlt man sich schlimmstenfalls ertappt, bestenfalls aber grandios bespaßt. Der Blick auf das etwas andere Amerika sitzt so perfekt das man feixend jauchzen möchte. Fast ist man versucht mit Mr Bates zu sympathisieren, dessen psychopathische Tendenzen zumindest bei mir fast auf so etwas wie tiefes Verständnis zu treffen schienen. Das ist große Kinokunst.

Was für ein Spaß. Ich mag normalerweise keine „lustigen“ Horrorfilme, aber was hier abgeht ist so genial pointiert und intelligent gemacht, das man den Film einfach gut finden muss. Mein bisheriger Favorit in diesem Jahr.
Alexander

01.09.2019, 16:25



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