The Lodge

Eiskalt

von Alexander
Dieser Film soll weh tun – und er tut es auch. Von der ersten Minute zieht sich eine Art subtiler Schmerz durch den Film, mal anziehend, mal etwas nachlassend, aber immer präsent, und durchaus in der Lage, psychisch etwas labile Menschen nachhaltig zu verstören. Es lag sicherlich nicht nur an einer der herzzerreißendsten Szenen, die ich seit Jahren in einem Film gesehen habe, dass es beim Abspann merkwürdig still im Kino war, und ich glaube, eine Dame neben mir vergoss sogar ein paar Tränen während des Films.

Eine einsame Ferienhütte, 2 verstimmte Kinder, eine Schwiegermutter, ein Schneesturm. Viel mehr als dieses überaus atmosphärisch dichte und im wahrsten Sinn des Wortes eisige Setting braucht es nicht, für den vielleicht besten Psycho-Horror des Jahres.

„The Lodge“ wurde irgendwo als „spannendster“ oder „gruseligster“ Horrorfilm des Jahres bezeichnet, was ich etwas irreführend finde. Denn zwar ist „The Lodge“ durchaus packend, der Film arbeitet aber viel subtiler, unterläuft in mancher Hinsicht die Erwartungshaltung des Zuschauers, entwickelt sich mehr zu einem Drama als zu einem puren Thriller, und zieht einem den Boden unter den Füßen weg, wenn man es eigentlich nicht mehr wirklich erwartet.

In so mancher Hinsicht erinnert „The Lodge“ somit an den ähnlich verschachtelten und ebenso verstörenden „Hereditary“, und natürlich ist auch ganz eindeutig die Handschrift der Macher von „Ich seh Ich seh“ zu erkennen, und wer letzeres Werk bereits mochte, dürfte an „The Lodge“ seine helle Freude haben.

Hier wird ganz großes Kino für den Kopf gemacht. Es gibt unzählige, kleine Anspielungen, wie z.B. ein dem Ferienhaus 1:1 nachgebautes Puppenhaus, in dem die Anordnung der herumliegenden Figuren düstere Vorahnungen zu wecken vermögen. An anderer Stelle laufen im Fernseher bekannte Genre-Filme, die ebenfalls in Eis und Schneesturm eingeschlossene Menschen zum Thema haben, was „The Lodge“ fast schon auf eine Meta-Ebene hebt.

Dies ist definitiv kein Gute-Laune-Filmchen für den Mainstream, um sich bei Popcorn und Bier an einem Samstagabend mal nebenbei bespaßen zu lassen.

Besucher, der Du hier eintrittst, lass alle Hoffnung fahren. Ich war von diesem Kammerspiel des Grauens jedenfalls sehr beeindruckt und nach dem Film ziemlich fertig.
Alexander
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

06.09.2019, 09:58



Weitere Informationen (externe Links):