Tone-Deaf

Großer schwarzer Spaß

von D.S.
Schmerzhaft schön, schön schmerzhaft: TONE-DEAF ist einerseits der bislang am leichtesten zu konsumierende Film von Richard Bates Jr. – denn bereits seine Oberflächenreize sind so stark ausgeprägt, dass sich hier eigentlich jeder Genrefan blendend unterhalten sollte. Durchgängig temporeich, laut, buchstäblich bunt und in einigen Szenen ganz schön brutal (wenn auch selten explizit): Langeweile kommt definitiv niemals auf und es gibt ausreichend Höhepunkte, um den Puls beim Betrachter hoch zu halten.

Andererseits ist es auch sein vielleicht bösartigster Film bisher, und wirklich großen Spaß dürften damit nur Leute haben, die über eine ausgeprägt fiese bis zynische Ader verfügen. Hier bekommt nämlich so ziemlich jede gesellschaftliche Gruppe ihr Fett weg, und dabei wird nicht zimperlich zu Werke gegangen. Vor allem natürlich die verknöcherten Alten, die als gemeingefährlich senile, rassistische Betonkopf-Spießer gezeichnet werden (und deren Zeichnung jeden Jungen und Junggebliebenen vor entsetzter Freude jubeln lassen dürfte); ebenso aber auch die zu oft verhätschelten, sich selbst überschätzenden und dabei massiv planlosen bis lebensunfähigen Millenials; die eskapistische Hippie-Eltern-Generation; die tumben Rednecks, die lifestyle-optimierten Großstadt-Hipster.

All diese Gruppen werden von Bates in massiven Konflikt miteinander gebracht, und wenn das Ganze in Summe doch vor allem als deprimierende Substanzanalyse der Trump-USA gelesen werden muss und für den europäischen Betrachter vieles grotesk übertrieben wirkt, schadet eine solche Überspitzung dem Unterhaltungswert natürlich nicht – im Gegenteil.

Eine junge, urban-liberale Frau auf der Flucht vor dem enttäuschenden Alltag, die es mit den Monstrositäten des Hinterland-Machismus zu tun bekommt, der sich als außerordentlich facettenreich bedrohlich entpuppt; das ist im Wesentlichen die Story des Films. Er hat jedoch nicht nur unter der Oberfläche, sondern auch in seiner Handlung wesentlich mehr zu bieten – was ihn paradoxerweise für mich persönlich in der Endwertung ein bisschen herunterzieht: denn es gibt hier zahlreiche Szenen zu erleben, welche die Story nicht voranbringen und wie zufällig hereingestreut wirken.

Teilweise wirkt TONE-DEAF daher fast wie ein Sammelsurium schräger Ideen, nicht immer fokussiert und geradlinig erzählt – aber grandios unterhaltsam. Ein kleines Highlight, und 7,5 Punkte absolut wert.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

06.09.2019, 15:04



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