The Furies

Das wäre Ihr Preis gewesen

von D.S.
Von Rosebud auf der Bühne als die „Anti-Hollywood-Version von THE HUNGER GAMES“ angekündigt, von einem sehr charmanten Videogruß des Oldschool-Horrorfan-Regisseurs eingeleitet: THE FURIES versprach, ein schöner Splatterspaß zu werden. Mit starken Frauen, mit Guts & Gekröse, mit ohne CGI. Es hätte so schön werden können.

Hätte, hätte, Eisenkette: De facto krankt das Langfilmdebüt des australischen Regisseurs und Drehbuchautors Tony D‘Aquino leider gleich an mehreren Enden. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass das Gore-Department nicht dazu gehört, und Make-up/Masken auch nicht: Es wird ordentlich geblutet, das tut weh und sieht gut aus, und die zahlreichen deformierten Monsterwesen, die hier im australischen Wald-Hinterland unterwegs sind, haben allesamt ein respektabel unangenehmes Äußeres aufzuweisen. Tatsächlich zollt ihr Auftreten den unterschiedlichsten Horror-Ikonen gelungen Tribut; am eindrucksvollsten ist dabei ein Leatherface-Lookalike gelungen, der statt einer Kettensäge allerdings – äußerst behände – eine Sichel schwingt.

Leise Beschwerden lassen sich zwar auch hier schon anbringen: Das individuelle „Design“ der Killer hat keinerlei Auswirkungen auf ihr Verhalten, sie präsentieren sich als vollkommen austauschbare und in JEDER Hinsicht gesichtslose Monster, der Psycho in Schweinsmaske benimmt und artikuliert sich exakt so schweinhaft wie der in Baby- oder Eulenmaske... hier wurde eindeutig Creepiness-Potential verschenkt.

In der Gesamtschau ist das jedoch zu vernachlässigen, denn viel schwerer wiegen die echten Böcke, die das Drehbuch schießt. Da haben wir also eine Reihe junger, hübscher Frauen, die sich nach ihrer Entführung irgendwo im Wald im Nirgendwo wiederfinden und schnell feststellen müssen, dass sie gejagt werden. Klar, Überleben ist erst mal alles, aber dass man nicht mal eine Sekunde innehält, um Hintergründe und mögliche Auswege zu diskutieren...? Okay.

Nun hat eine von ihnen von Anfang an regelmäßig merkwürdige visuelle Eindrücke/Halluzinationen/Visionen. Man will ja nicht spoilern, aber anhand des vorher Gezeigten weiß das Publikum ab ca. Minute 15 Bescheid über einen ganz essentiellen Clue der Handlung. Und kann sich dadurch Hintergründe des Geschehens und nicht zuletzt auch diverse Möglichkeiten zusammenreimen, die akute Bedrohungssituation zu minimieren – aber unsere angeblich smarten, self-empowerment-mäßig unterwegs seienden Frauen sind ganz offensichtlich zu blöd, auch nur die naheliegendsten Schlüsse zu ziehen.

Überhaupt: Statt Frauenpower gibt’s hier vielmehr Zickenkrieg. Und kaum eine Möglichkeit, Sympathie für die mehr oder minder wehrhaften Opfer aufzubauen. Denn sie gehen einem fast ausnahmslos ziemlich auf die Nerven – und benehmen sich fast ausnahmslos nicht so, dass man Wert auf ihr Überleben legen mag.

Hinzu kommen leider eine maximal mäßige Kameraarbeit und ein generell eher flacher, billiger Look sowie ein Set, der auf Dauer eintönig wirkt. Und so bleibt am Ende vor allem Enttäuschung – das Herz der Handlung, maskierte Killer jagen junge Frauen, hat man schon so oft gesehen, und meistens hatte es mehr emotionalen Impact. Wobei, vielleicht bleibt am Ende statt Enttäuschung sogar noch mehr Fassungslosigkeit: Wie konnte man so eine schicke Idee, eine Horror-/Gore-Variante von BATTLE ROYALE, nur derart in den Sand setzen, in der amateurhaften Beliebigkeit versenken?

Schade um die nette Idee, schade um die netten Masken, schade um den guten Gore. Drehbuch, Dialoge und Darsteller sind zu schlecht, um wirklich was zu reißen. Weniger furios als belanglos: 4,5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

07.09.2019, 02:59



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