Freaks

Die Enttäuschung des Jahres

von Alexander
Der folgende Review enthält SPOILER!
„Freaks“ war einer jener Filme, auf die ich mich wirklich gefreut hatte, einer der wenigen „Mystery“ und „SciFi“ Vertreter auf dem Fest. Mit einer Story, die so richtig neugierig machte. Als „Fresh Blood“ Beitrag von einem noch vermeintlich unverbrauchtem Regie-Duo. Und dann auch noch mit meinem alten Helden BRUCE DERN! Was sollte da schiefgehen? Ganz einfach alles.

„Freaks“ beginnt mit einer wirklich fesselnden Ausgangssituation, mit flirrenden Szenen, mit Spannung, Drama & viel Mystery-Flair, und macht so richtig neugierig darauf, in welche Richtung sich dieser toll eröffnete, neue Film wohl entwickeln mag. Auch der Cast ist erste Sahne, mit Lexy Kolker als wirklich bezaubernde Jungdarstellerin und meinem Helden der ersten Kinostunde, Bruce Dern, als sinistren Eiscreme-Verkäufer im gruseligsten Eiscreme-Truck seitdem man das erste Mal Reggie Bannister als Eisverkäufer in „Phantasm“ sehen durfte. Es hätte alles so wunderbar werden können...

Bedauerlicherweise lässt man die Katze aber schon sehr früh aus dem Sack und lüftet das größte und spannendste Geheimnis des Films, ohne aber genug interessante Ideen für den sehr langen Rest von „Freaks“ übrig zu haben. Fortan mutiert „Freaks“ von einem vormals spannenden Mystery-Thriller in einen oberflächlichen, generischen Actionfilm, der all das in sich vereint, was ich an modernen Superhelden-Blockbustern so hasse (welche ironischerweise auch noch in der Einleitung des Programmheftes abgewatscht werden). Da in dieser kleinen Produktion ganz offensichtlich aber eben nicht genug Budget zur Verfügung stand, um die öde Action wenigstens in einem passenden Rahmen zu präsentieren, wirkt die Geschichte auf Dauer nicht nur inhaltlich ermüdend, sondern bleiben die billigen Sets eben auch optisch reizlos. Und selbst die zu Beginn noch liebgewonnene Lexy Kolker darf aufgrund des schwächelnden Drehbuchs irgendwann nur noch agieren, wie ein Abziehbild von Drew Barrymore aus Stephen Kings schlecht verfilmtem „Firestarter“.

Alles was zu Beginn mit viel Liebe zum Detail und großartigen schauspielerischer Leistung mühevoll aufgebaut wurde, verkommt zu einer kommerziellen, öden Möchtegern-Kopie allzu bekannter Filme und Geschichten, die man schon tausendmal gesehen hat, und die zu Anfang noch gruselige Atmosphäre wird dann auch noch mit idiotischen One-Linern aus der stumpfen Witzkiste Hollywoods gänzlich zu Grunde gerichtet. Dies sorgte im Publikum dann für so manchen Lacher und ruinierte den Film für mich endgültig.

Die Regisseure Zach Lipovsky und Adam B. Stein zogen es leider vor sich zu prostituieren und den sicheren, ausgetretenen Pfad, Richtung fadem Mainstreamkino einzuschlagen, wohl um sich bei den großen Produzenten einzuschleimen, um dann beim „nächsten Mal“ mit sehr viel mehr Budget, noch mehr Kawumm und Langeweile zu verbreiten, so wie man das aus Hollywood ja seit Jahren nicht mehr anders gewohnt ist. Ein Trauerspiel.

Schon sehr lange hat ein Film meine Erwartungshaltung nicht mehr so grandios unterlaufen und mich so dermaßen enttäuscht wie „Freaks“. Was hier an hervorragendem Potential verschenkt wurde, ist eigentlich kaum mehr in Worte zu packen. Man möchte fast schon von mutwilliger Sabotage und Zerstörung sprechen, wenn man darüber nachdenkt, was hier angesichts eines wirklich tollen Casts alles möglich gewesen wäre. So aber taumelte ich fassungslos aus dem Kino, trat frustriert gegen ein paar Mülleimer auf der Straße, und weinte mich in den Schlaf.
Alexander
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

09.09.2019, 10:42



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