Little Joe

Der etwas sehr phantastische Film

von Alexander
Die Älteren von uns erinnern sich an die in den 70er und 80er Jahren mit größter Erwartung zelebrierten, samstäglichen Genre-Perlen, die unter dem Titel „Der phantastische Film“ mit einem der gruseligsten Anime-Intros der Fernsehgeschichte angekündigt wurden und uns jungen Grusel-Novizen seinerzeit diese herrliche Gänsehaut auf den Leib zauberten.

Man sah damals Dinge, die neu und befremdlich waren, doch dieses Gefühl, Neues und Unerkanntes zu entdecken, ließ im Laufe der Zeit und mit zunehmender Erfahrung dann immer mehr ab. Heute gehen wir auf das Fantasy Filmfest, mit der Hoffnung dieses Gefühl vielleicht bei dem ein oder anderen Festivalbeitrag wieder erleben zu dürfen. Und tatsächlich ist „Little Joe“, zumindest für mich, einer der wenigen Filme dieses Jahrgangs, bei dem dies bislang gelang.

Dies liegt vor allem an der ungewöhnlichen Art und Weise, wie hier eine Geschichte erzählt wird. Zwar durchaus stringent und nicht all zu sehr fordernd, dennoch seltsam bizarr und wie aus Zeit und Rahmen gefallen. Jede Kameraeinstellung ist ein kleines, modernes Kunstwerk, voll leuchtender Farben und seltsamer Formen. Dabei wirken die Szenen oftmals seltsam steril, so als hätte jemand die echte Welt noch einmal extra für diesen Film nachgebaut, und zu dem stilistischen Mittel gegriffen, alles überflüssige einfach wegzulassen, bis nichts übrig bleibt, als ein auf das Notwendigste reduzierte Bühnenbild, das in seiner Redundanz eine fast schon hypnotische Wirkung entfaltet.

Star dieser subtilen Geschichte mit ihren zahlreichen sehr leisen, oft auch zynischen und manchmal witzigen, Zwischentönen, ist zweifelsohne die Blume „Little Joe“, die mit ihrer unnatürlichen Strahlkraft und knalligen roten Farbe nie wirklich als Teil von Flora und Fauna begriffen wird, sondern von Anfang an wirkt, wie ein kleiner kühler Fremdkörper in einer großen, kalten Welt.

Mitunter agieren die oft ebenso kühl und steril anmutenden Darsteller mehr als ständen sie auf einer Theaterbühne als vor der Kamera. Die Dialoge wirken oft hölzern und gekünstelt, verleihen mit ihren steifen Gesten und kantigen Worten dem Film eine Atmosphäre, die die unangenehme Grundstimmung noch zu verstärken weiß, und unterstreichen die irgendwie sterile Note eines Gesamtkunstwerks, an dessen Optik man sich auf der großen Leinwand noch zu berauschen vermag, das dann aber leider inhaltlich ein paar Defizite aufweist, und dessen insgesamt etwas spannungsarme Story mich trotz visueller Opulenz dann doch nicht so vom Hocker reißen konnte, wie es die Atmosphäre des Films mitunter tat.

Irgendwie mehr Schein als Sein, wenn die subtile Message von „Little Joe“ Menschen mit feinen Antennen auch nicht verborgen bleiben mag. Das Ende kann man dann so oder so interpretieren, denn vieles wird nur ganz zart angedeutet, und die Antwort auf alles liegt irgendwo zwischen den Zeilen und leuchtet in Gelb, Grün, Rot, oder vielleicht auch in Blau.
Alexander
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

09.09.2019, 17:15



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