First Love

Takashi Miike zum neu Verlieben

von D.S.
Ich bin für gewöhnlich nicht der größte Fan von Takashi Miikes Filmen. Kann gar nicht mal genau sagen, warum – zu oft zu viel Leerlauf in der Handlung, zu unsympathische Charaktere, nicht mein Humor? FIRST LOVE aber hat mich fast direkt ins Herz getroffen: Eine nahegehende, dabei aber nicht eine Sekunde lang kitschige Geschichte zweier Verlierer, die im größtmöglichen, brutalstmöglichen Chaos zueinander finden und vor allen Dingen eine grandios komisch inszenierte Geschichte von Kapitalverbrechen, Pleiten, Pech und Pannen, die sich an sogenannter Gangsterehre abarbeitet und all die harten Typen der wunderbar unterhaltsamen Lächerlichkeit preisgibt. Die ultimative postmoderne Dekonstruktion des Yakuza-Thrillers; zwar temporeich, energiegeladen, blutrünstig – gleichzeitig aber charmant, witzig, ironietriefend ohne Ende.

Tatsächlich erinnert FIRST LOVE vor allem im Mittelteil eher an einen Film von Sabu als einen von Miike: wie hier durch Missverständnisse und Slapstick-artige Fehler einzelner Charaktere Chaos-Kettenreaktionen ausgelöst werden, kann unterhaltsamer – und leichtherziger – kaum auf die Leinwand gebracht werden. Man nehme dazu noch einige (dann wieder Miike-typisch) überzeichnete Figuren, die sich frohen Mutes in die teils buchstäblich rauschhafte Albernheit chargieren, und es bleibt kein Auge mehr trocken.

Die Handlung bietet dabei eigentlich nicht viel mehr als eine „Gangster beklauen Gangster“-Geschichte, gespickt mit dummen Zufällen und versehentlich involvierten Zivilisten. Das mündet aber am Ende in einem derart grandios zelebrierten Jeder-gegen-jeden-Showdown, so vielen herzerwärmenden Wahnwitz-Dialogen (und Mord-und-Totschlagsvarianten!) und ist so meisterhaft choreografiert, dass man nonstop blendend unterhalten wird.

Lässt sich weiß Gott nicht von jedem Miike-Film sagen, und wenn FIRST LOVE manchem Zuschauer auch ein wenig zu simpel gestrickt, zu albern, zu fröhlich, zu schwach auf der Brust erscheinen mag: Ich habe mich köstlich amüsiert. 7,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

10.09.2019, 03:12



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