Dreamland

Ein unterkülter Neo-Noir Thriller auf Smack. Und mit Juliette Lewis.

von Alexander
Hallo, was war das denn? Ein bleicher, eiskalter und richtig abgefahrener kleiner Thriller auf gebremstem Schaum? Eine Ode auf vergangene Neo-Noir Thriller, die genau so gut auch in L.A. hätte spielen können. Ein Film, dessen bizarr-kaltes Setting in einer offensichtlich belgischen, malerischen Stadt spielenden Story es schafft, mit zwei bleichen, vom Leben gezeichneten alten bärtigen Männern, eine lange nicht mehr erlebte Suspense zu erzeugen, die man vormals nur aus alten abgefuckten Crime-Movies Frankreichs kannte?

Ein heroinsüchtiger Jazz-Trompeter und ein seines Schaffens überdrüssiger Profikiller stehen im Fokus dieser kleinen, feinen Thriller-Farce. Beide irgendwie des Lebens überdrüssig, kreuzen sich eines Tages dann die Bahnen ihres miesen Lebens um vielleicht noch einmal etwas Gutes bewirken zu können. Der Eine will das unbedingt, der Andere will eigentlich nur seinen nächsten Schuss. Das ist großartig in Szene gesetzt und leider viel zu selten mit einem genialen, kunstvollen Jazz-Soundtrack unterlegt, dem man hier viel mehr Raum hätte einräumen müssen.

Und dann auch noch Juliette Lewis.

Die mittlerweile in Würde gealterte aber immer noch schöne Juliette Lewis liebe ich seit ihrem Jahrzehnte entfernten Auftritt in „California“ abgrundtief. Ihren Namen in der Cast List eines Filmes auftauchen zu sehen war schon immer ein Garant für schräge und gute Genre-Unterhaltung, auch wenn sie sich in den letzten Jahren vielleicht etwas rar gemacht haben mag. Ihr bunt überzeichnetes Overacting, das in diesem Film vielleicht auf das ein oder andere Missverständnis bei den Zuschauern stoßen mag, setzt zu den ansonsten monochromen und überwiegend bewusst blass gehaltenen und jeder überflüssigen Aktion entrissenen Szenen von „Dreamland“ einen so genialen, anarchistischen Gegenpol, das man sich den Film ohne sie gar nicht mehr vorstellen möchte.

„Dreamland“ schaltet permanent hin und her, zwischen düsteren Szenen und grotesk überzeichneten Bildern der Komik, vollgepumpt mit einem superbem, schwarzen Humor der einem im Halse stecken bleiben kann. „Dreamland“ schlägt zumeist aber ganz leise Töne an, zu denen auch der Soundtrack mehr als nur gut passt, zieht uns in ein kleines Drama rein, das zu den kühlen Bildern einer vorweihnachtlichen Winterszenerie perfekt untermalt wird.

Der Film driftet irgendwann vollkommen ab, wenn auch noch ein „Vampir“ die Bühne betritt und kleine Kinder als Erfüllungsgehilfen des lokalen Mob missbraucht werden. Dann tut „Dreamland“ irgendwie auch weh und erschafft eine Szenerie, die vollkommen daneben ist.

Und wo steckt der „Dream“ in Dreamland, was war jetzt real, was nur ein schöner oder böser Traum? Mit seiner Endsequenz entlässt uns der Film wahrlich traumhaft in ein großartig bebildertes, hypnotisches Ende, das man als kleinen Drogentraum ebenso interpretieren könnte, wie als ein softes, banales Ende wie aus der Mainstreamschmiede Hollywoods. Aber an Letzteres glaube ich dann eher nicht.

Grandios, eines meiner Highlights dieses Jahr. Und danke für diesen Film.
Alexander
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

12.09.2019, 22:06



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