Rabid

Cronenzwerg

von Leimbacher-Mario
Braucht man Remakes? Und was macht eines zum würdigen, sinnvollen Update? Darauf gibt „Rabid“ von den Soska-Schwestern zu Beginn frech, meta und selbstbewusst gleich eine Quasi-Antwort - nur um seine eigenen Aussagen dann im weiteren Verlauf mit einem höchst mediokren und recht lahmen Film zu torpedieren... In dem vagen Remake von David Cronenbergs „Rabid“ sehen wir eine Modedesignerin auf ihrer Vespa verunglücken und mit einem zutiefst entstellten Gesicht im Krankenhaus aufwachen. Doch eine neue Methode der Verpflanzung künstlicher Haut gibt Hoffnung auf Normalität, Schönheit und gar Verbesserungen. Wären da nicht unangenehme Nebenwirkungen wie der Hunger auf Blut, mysteriöse Wahnvorstellungen, ekelige Auswüchse und die ansteckende, namensgebende und äußerst aggressive Super-Tollwut...

Cronenbergs „Rabid“ ist sicher nicht seine Sternstunde, aber ein verdammt gelungenes, richtungsweisendes Frühwerk. Dieser „Rabid“ will Verbeugung und Twist auf diesen rohen Geniestreich sein, cronenberg'sche Werkschau und massiver Fanservice obendrein - was ihm auch oft gelingt -, vergisst dabei jedoch, ein guter Film zu werden. Die Seitenhiebe auf die Modebranche und die allgemein sehr oberflächliche westliche Welt hat man schon oft (besser, bissiger) gesehen, selbst wenn der „Günther“ ein ziemlich unterhaltsamer Charakter mit deutschen Wurzeln und klare Anspielung auf King Karl ist. Dafür bekommt man eine sehr ansehnliche Leading Lady geboten, einige fein handgemachte Bodyhorror-Effekte und zumindest den Versuch, aus wenig Geld viel Style zu holen. Leider ist das Gesamtergebnis schneller vergessen als das Abendessen von vorgestern und wirkt nie wie ein packendes, kohärentes Ganzes. Eher wie ein fanmade Best Of. Etwas Carpenter und Lovecraft, etwas „Neon Demon“ und „Contagion“ noch mit rein in die Suppe - fertig ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Ohne Würze, ohne Seele. Zu wenig Highlights, zu wenig Ekel (!), zu wenig Sympathien. Für alle Beteiligten. Am Ende überwiegt Enttäuschung. Ganz ohne Schadenfreude.

Fazit: satirisch, trashig, oberflächlich. Der neue „Rabid“ ist eher Hommage an das gesamte Bodyhorror-Subgenre als steifes Remake. Ein im besten Fall launiger B-Movie, im schwächsten Fall überflüssiger, überraschend höhepunktarmer und zäher Versuch, einem Meister Tribut zu zollen. Irgendetwas fehlt bei den Soska-Schwestern immer, hier sogar massiv viel, und mittlerweile traue ich ihnen leider nicht mehr den großen Wurf zu...
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

13.09.2019, 01:50



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