Dreamland

This is not America

von D.S.
Regisseur Bruce McDonald führt stolze 79 Einträge in seiner IMDb-Filmografie, darunter wirklich interessante Werke wie PONTYPOOL und THE TRACEY FRAGMENTS, oder auch den maximal seltsamen Halloween-Film HELLIONS vom FFF 2015. Ich musste mich dessen zweimal versichern, denn so leid es mir tut, DREAMLAND wirkte auf mich wie ein Studentenfilm – wie extrem gewollt, aber absolut nicht gekonnt. Schäbiger Look, furchtbares Overacting aller Darsteller, eine gequält auf „schräg“ getrimmte Story, die so gar nichts Neues zu bieten hat... für mich einer der bislang anstrengendsten Beiträge dieses Festivaljahrgangs.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, DREAMLAND wurde in Luxemburg gedreht. Falls ja, habe ich immerhin etwas Neues gelernt: Das Großherzogtum wirkt, jedenfalls im kalten Licht des Tages, nicht glamourös und edel, sondern trist und schmucklos. Aber hey, vermutlich ist dieser hier erzeugte Eindruck Absicht, knick-knack, „Traumland“ (weil Kohle ohne Ende) und die böse Realität und so, alles klar. Nun stellt sich in diesem Fall natürlich die Frage, ob überhaupt jemand jemals wirklich auf die Idee gekommen wäre, ausgerechnet das provinzielle Luxemburg als Traumland zu bezeichnen, aber das führt jetzt wohl am Thema vorbei.

Fakt ist jedoch, dass sich eine Story wie diese – Gangster zwischen romantischen Träumen, Größenwahn und schmerzlicher Realität; ein „Hard-Boiled“ Gunman als Retter jungfräulicher Unschuld – in einem Umfeld wie der „Sin City“ Las Vegas (oder auch dem Hong Kong der frühen 90er-Jahre) ungleich mitreißender, stimmiger, überzeugender anfühlt als in einer weitgehend charismafreien europäischen Kleinstadt. Ach, dieser Widerspruch ist Absicht? Dekonstruktion? Desillusionierung? Das bezweifle ich. Dann hätte es hier keinen Platz für einen albern theatralischen Vampir gegeben. Oder auch für die inzwischen fast schon üblich anstrengende, in ihrem Cameo übrigens weitgehend verschenkte Juliette Lewis.

Henry Rollins spielt das, was er kann: seine gewohnte öffentliche Figur. Und Stephen McHattie in einer Doppelrolle – ist leider kein Willem Dafoe. Alles nicht sehr beeindruckend. Vielmehr sehr bemüht. Dabei fängt es ja durchaus spannend an. Ein eiskalter Auftrags-Massenmord, schnell geschnitten, brutal und ohne große Erklärung. Dann ist aber auch schon das gesamte Tempo raus. Uns bleibt nur das Beobachten verkrachter Existenzen, die im billigen Look eine lächerlich übertriebene Low-Life-Farce aufführen. Einen letzten Lebenssinn suchen. Sich alternativ in grotesk überzeichneter Dekadenz ergehen.

Wer mag, kann hier sicherlich interessante Charakterzeichnungen entdecken. Oder intelligente Kommentare auf das Verhältnis zwischen romantisierender Gangster-Geschichtenerzählung und trostloser Realität. Den Wert von Moralvorstellungen in einer komplett amoralischen Welt. Für mich hat das Ganze in dieser Darbietung jedoch überhaupt nicht funktioniert. Stattdessen fühlt sich DREAMLAND an wie Kleinstadttheater auf einer viel zu großen Bühne: prätentiös, ungelenk und ermüdend. Hat sich für meinen Geschmack arg verhoben – leider nur 4 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

13.09.2019, 01:03



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