Light of My Life

Schleichholz

von Leimbacher-Mario
Nachdem Casey Affleck in den letzten Jahren eher außerhalb seines Jobs mit Eskapaden, Ausrutschern und bösen Gerüchten von sich Rede machte, hat er sich nun endlich wieder auf das Wesentliche, seinen Job konzentriert und zum zweiten Mal auf dem Regiestuhl Platz genommen. Er erzählt von einem Vater, der mit seiner Tochter misstrauisch durch eine eiskalte und recht leere, gefährliche Welt streift, in der vor einigen Jahren so gut wie alle Frauen durch einen Virus ausgestorben sind. Daher muss er seine scheinbar immune Tochter als Junge tarnen und natürlich extrem vorsichtig sein, jeden Schritt und jede „Unterkunft“ dreimal überdenken und immer einen Notfallplan in der Hinterhand haben...

„Light of My Life“ erinnert selbstverständlich an „The Road“, „Children of Men“ und auch „The Survivalist“, das wird Affleck wohl sogar selbst nicht abstreiten. Doch ganz an deren Klasse kommt er nicht (zumindest an die zwei Erstgenannten). Mir hat er dennoch klasse gefallen. Wenn man sich denn auf das enorm gedrosselte Tempo, die volle Konzentration auf das ungewöhnliche Gespann und die zugegeben fehlenden echten Höhepunkte einlässt. Vielleicht gewinnt das Ding sogar noch was, wenn man selbst eine kleine Tochter hat und/oder auf die extrem realistische, bodenständige Herangehensweise anspringt. Außerdem kann man den Kameramann nicht hoch genug loben, das kleine Mädel spielt mit ungewöhnlich feinem Understatement und dennoch durchdringender Kraft für ihr Alter und Afflecks jüngere Geschichte verleiht manch einer Szene, einer Zeile oder einem Ausdruck nochmal ganz andere Brisanz und Aussage. Aber selbst ohne diese Metaebene (die man ganz sicher auch nicht zu hoch hängen sollte) hat mich das Ding in seiner ruhigen Art und mit seinen edlen Bildern gepackt und auch nur selten losgelassen. Die Stimmung, Erwartungshaltung und Wachheit sollten allerdings stimmen. Ein Polarisierer, ein ruhiges Gemüt mit Klasse, in dem es brodelt und der vor Vatergefühlen fast platzt. Paar Minuten zu viel auf den Rippen, kein Zweifel. Nicht für jeden und auf dem Fantasy Filmfest natürlich besonders arg und kritisch beäugt, vielleicht sogar fehl am Platz. Doch er hat definitiv Power und Klasse. Und durch einige Gedanken an das Videospielmeisterwerk „The Last of Us“ verdient man sich bei mir immer Bonuspunkte.

Fazit: Daughter of Men - Casey Afflecks Herzensprojekt ist eines der innigsten, emotionalsten Endzeit-Dramen der jüngeren Vergangenheit und orientiert sich deutlich an größeren Vorbildern und langjährigen Kollaborateuren von ihm. Eine mutig (manche mögen meinen langweilig) entschleunigte Vater-Tochter-Geschichte, beeindruckend gespielt und vertont, edelst aufgenommen und einfach ein Charakterdrama von Format. Apokalypse braucht nicht immer Zombies und Blutrunst.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

15.09.2019, 01:59



Weitere Informationen (externe Links):