Light of My Life

Leise und eindringlich

von Epiphanie
Es ist schade, dass dieser Film so viele schlechte Bewertungen erhalten hat, weshalb ich unbedingt eine Lanze für ihn brechen möchte. Ja, er kommt leise daher, aber das ist auch richtig so und Kalkül.

Post-apokalyptische Filme schicken uns als Zuschauer in eine Welt, in der alle Sicherheiten unserer Zivilisation verloren gegangen sind und das Schlechteste, aber mitunter auch das Beste im Menschen zutage gefördert wird. Ein guter Film dieses Genres schafft es, neben den offensichtlichen Bedrohungen wie dem Kampf oder dem Handel um Ressourcen weitere zu generieren, mit denen man primär gar nicht gerechnet hätte.

Light of My Life lebt davon, dass wir mit Casey Affleck mitfühlen, wie er seiner Tochter Bildung und Werte vermittelt, die so gar nicht zu der Welt passen, in die sie hineingeboren wurde, um eine Normalität aufrecht zu erhalten, die es eigentlich nicht mehr gibt. Es schmerzt geradezu zu erleben, wie er als fürsorglicher Vater seine Tochter um jeden Preis vor dem zu schützen versucht, was ihr droht, wenn sie je entdeckt würde. Diese Bedrohung schwingt stets mit, existiert jedoch nur in der Fantasie des Zuschauers und braucht nicht ausgesprochen zu werden.

Der Film lebt von seinen Dialogen, die den größten Teil des Films ausmachen, und nur durch wenige Action-Szenen unterbrochen werden. Die Landschaftsaufnahmen herbstlicher Wälder und verschneiter Berge sind grandios und unterstreichen die Düsternis einer Welt ohne Frauen und Kinder, also einer Welt am Ende ihrer Existenz. Ich kann verstehen, dass dieses Setting nicht jeden mitreißt, hoffe aber, dass der Film seine Chance bekommt. Vielleicht ist er außerhalb des Festivals besser aufgehoben, wenn man nicht derart reizüberflutet ist.
Epiphanie
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

17.09.2019, 00:51



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