The Witness

Zeugenschmutzprogramm

von Leimbacher-Mario
Was würdest du tun, wenn du eines nachts einen brutalen Mord vor deiner Tür beobachtest? Ihn der Polizei melden? Auch wenn dich der Killer ebenfalls gesehen hat und er dermaßen eiskalt und entschlossen wirkt, dass er deiner Familie großen Schaden zufügen könnte?! Genau in einer solchen Situation befindet sich der Protagonist und (Nicht-gerade-)Held in dem koreanischen Thriller „The Witness“. Dinge wie Zivilcourage, Mut und das allgemeine und gefühlt immer heftiger werdende Weggucken der Gesellschaft (plus ein wenig, wie momentan oft im asiatischen Raum, das Thema der Mieten und Wohnräume) werden hier groß geschrieben. Aber auch gut umgesetzt? Ja, teilweise schon. Allerdings schlagen hier bei mir zwei sehr unterschiedliche Herzen...

„The Witness“ ist einerseits ein furzknackiger Thriller, toll gespielt, spannend inszeniert und technisch nicht kritisierenswert. Die Geschichte hat Gewicht, ist (in Teilen) auch nachvollziehbar und verliert in keinem Moment an Fahrt, hat verdammt viel, was man an asiatischen Thrillern in den letzten Jahren so lieb gewonnen hat. Nur leider habe ich massive Probleme mit dem Verhalten der Figuren, vor allem mit unserem Protagonisten. Klar verstehe ich manch einen Kinokniff, um das Ding am Rollen zu halten und um einen benötigten Storybogen, Spannungsaufbau zu kreieren, auch kleinere Logiklöcher kann ich ertragen. Aber hier hat mich unsere Hauptfigur einfach nur fertig gemacht mit ihrer Feigheit und ihren falschen Entscheidungen. Klar ist das auch dem Thema geschuldet, es wirkt, ist teilweise sogar beabsichtigt - doch es zehrte arg an den Nerven und manche Zuschauer hat der Film damit spürbar und verständlich auf die Palme und heftig gegen sich aufgebracht. Warum meldet er es nicht (früher) der Polizei? Warum ist er (die meiste Zeit) eine solche Memme? Warum trifft er nie brauchbare Entscheidungen? Warum gehen fast alle Opfer mit auf sein Konto? Was sieht seine Frau in ihm? Wie kriegt er am Ende doch noch den Bogen und den psychologischen Zweikampf gewonnen? Und warum gibt es für ihn eigentlich keine Folgen auf Grund unterlassener Hilfeleistung? Fragen über Fragen, Frust trotz eigentlich bravouröser Leistung.

Fazit: ein Hammer?! Nur inhaltlich beim Killer. Eher eine Zivilblamage. Thematisch wichtig, dazu klasse inszeniert und zum Teil enorm spannend, kurzweilig, hochwertig. Nur, es gibt einen fetten Haken: die (Haupt-)Figur(en) agiert teilweise dermaßen frustrierend und ärgerlich, dumm und nicht nachvollziehbar, dass es einem trotz dem manches erklärenden Thema und den cinematischen Verständlichkeiten dennoch das Filmvergnügen verhageln kann... Im Endeffekt bleibt er bei mir aber trotzdem im Plus. Respekt.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

16.09.2019, 01:18



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