Harpoon

Life of Drei

von Leimbacher-Mario
Kammerspiele sind meins. Egal ob witzig oder böse, egal ob Horror oder Komödie, egal ob klassisch oder modern - die sind oft kurz und effektiv unterhaltend für mich. Wenn sie mit einem teuflischen Grinsen kommen, umso besser. „Harpoon“ (oder unter Insidern auch „Speargun“ genannt) ist genau solch ein hinterhältiger Fiesling, in dem drei junge Erwachsene und „Freunde“ mit einem kleinen Boot aufs Meer hinaus fahren und dort stecken bleiben. Eine echte Ahoisause nimmt ihren Lauf, denn Geheimnisse und Intrigen, Neid und Aggressionen, Dummheit und ein sehr sonderbarer Survivalinstinkt geben sich hier die nasse Klinke in die Hand und können nur zu Mord und Totschlag führen... oder?!

Wenn es in einem Film nur drei Darsteller gibt, bleibt der Bodycount natürlich eher übersichtlich und die Frage nach dem „Wie?“ rückt in den Vordergrund. Außerdem ist es immer interessant zu sehen, wie es ein Film schafft zu fesseln, wenn er nur von ekelhaften Charakteren bevölkert wird. Doch „Harpoon“ gibt beeindruckende Antworten auf diese Fragen. Oder zumindest kurzweilige, unterhaltsame, launige. Er bleibt nicht länger als er muss und vermeidet Längen mit Schmackes und (gedrosselter) Boshaftigkeit, die jungen Darsteller spielen top ihre arschigen und etwas überzogenen Rollen, der Off-Erzähler avanciert schnell zum Publikumsliebling, von dem man leider viel zu wenig hört. Insgesamt werden vielleicht nicht genug richtig tolle Ideen mit an Bord genommen, die Figuren regen einen von Natur aus auf und das Setting bietet ebenso natürlich nicht allzu viel Abwechslung. Immerhin ist die Auflösung genau das, was man sich wünscht. Der Weg dahin hält oberflächlich und locker bei Laune. Selbst wenn man sich dauernd fragt, warum und ob sich diese Menschen wirklich mehr hassen, als sie überleben wollen, was mit zumindest etwas Kooperation sicher besser klappen würde...

Fazit: ein feucht-fröhliches Kammerspiel auf hoher See mit Aggressionsströmungen und drei unsagbar unsympathischen Arschgeigen. Trio infernale. Fies, knackig, simpel und zumindest am Ende befriedigend. Und der schön-zynische Off-Kommentar rockt. Im Endeffekt aber nichts Weltbewegendes. Für den Sonntagnachmittag mit Freunden. Oder Feinden ;).
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

17.09.2019, 01:26



Weitere Informationen (externe Links):