All the Gods in the Sky

Die Götter müssen verrückt sein

von Leimbacher-Mario
„All the Gods in the Sky“ ist ein Regiedebüt - immer wieder unfassbar erstaunlich, was da manche „Anfänger“ vor die Linse zaubern. Hochwertig, gründlich, kraftvoll, ausgefeilt - Quarxx mag ein lustiger Künstlername sein, doch dieser Mann macht regietechnisch keine Scherze und ich werde ihn aber mal sowas von im Auge behalten. Sein wuchtiger Erstling handelt von einem Mann, der seine körperlich und geistig eingeschränkte, entstellte Schwester pflegt und (in seinem Kopf?) Kontakt zu Außerirdischen hat/plant, die ihn und seine Sis aus der ausweglosen Lage herausholen sollen...

Melanie Gaydos. Eine äußerst dichte, mysteriöse und metaphorisch-angehauchte Art/Atmosphäre. Und die schwerwiegenden, ambivalent behandelten Themen. Diese drei Aspekte würde ich bei „All the Gods in the Sky“ als besonders Positiv herausheben. Er beginnt mit einem echten Schock, hat einen sofort an der Angel und zieht den Würgegriff gut zu. Oder hält ihn zumindest konstant. Den Rest übernimmt eine grandiose Gaydos, deren Kraft, Ausstrahlung und Aura unvergleichlich ist und die ohne Hemmungen oder Furcht alles reinlegt. Was für eine Präsenz! Die dann ausgeführten, auch etwas religiösen Themen mögen nicht jedermanns Sache sein, doch flach oder nicht ergiebig, kann man diesen eindringlichen Downer kaum nennen. Es ist ein sehr spezielles Erlebnis, das hängen bleibt. Audiovisuell ebenfalls enorm stark, basslastig, düster und wabernd. Vielleicht vom Tempo minimal zu langsam, ein wenig verkopft und am Ende für meinen Geschmack zu versöhnlich, simpel, vorhersehbar - doch insgesamt ein unangenehmer, sehr emotionaler und intimer Kracher. Ein leiser Kracher. Wie gesagt: Wer sowas als Debüt abliefert, dem kann man alles zutrauen. Irgendwo zwischen Malick und Laugier. Surrealismus, Tabuthemen und Terrorfilmchen.

Fazit: Alles andere als Quarxx - furchtlos, intensiv, harter Tobak über Schuld, Buße und Vergebung. Anspruchsvoll und mit einer alles überragenden Frau Gaydos. Bleibt hängen. Nicht nur durch einen Beginn, bei dem man kaum hinsehen kann. Danach will man das allerdings umso mehr.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

20.09.2019, 02:13



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