Light of My Life

Daddy of the year award. Seriously.

von Cinescout
FFF 2019. Letzter Tag. Zweiter Slot. Angekündigt war ein Film in der Tradition von The Road oder Children of Men. Bekommen haben wir einen Verwandten, allerdings viel näher an unserer Zeit.

In Casey Afflecks ersten reinrassigen Narrativfilm wird uns die Geschichte eines Vaters und seiner Tochter geboten, die Aufgrund einer nicht näher beschriebenen biologischen Katastrophe mit einer Welt konfrontiert werden in der es kaum noch Frauen gibt. Alle gesellschaftlichen Konsequenzen gerade in der nordamerikanischen Welt werden nur durch die Perspektive des Protagonisten gezeigt. Dadurch bleibt die Exposition bei einem Minimum und es liegt am Betrachter sich durch kleine Hinweise und das Verhalten der Figuren ein Bild zu machen.

Der Film bietet eine sehr konsequente und unheimlich gradlinige Geschichte. Casey Affleck zeigt sowohl als Regisseur sowie als Hauptdarsteller eine bemerkenswert gute Leistung. Dass er emotionale Rollen mit hohem Empathiefaktor spielen kann bewies er ja mit Manchester by the Sea unter der Regie von Kenneth Lonergan. Hier hat er sich auch wohl einige Motivationen für sein eigenes Werk geholt. Besonders gefallen hat mir die Zeichnung der Vaterfigur. Seine sehr beschützende und restriktive Art und Weise seine Tochter vor Fremden abzuschirmen wirkt am Anfang dem flüchtigen Betrachter als Übertrieben, im weiteren Verlauf zeigt sich aber ein doch differenziertes Bild, indem seine hohen moralischen und ethischen Ansprüche auch getestet werden und er (wie auch wir in unserem Leben) stets zwischen Vorsatz/Selbstverständnis und der praktischen Durchführung abwägen muss. Die Leistung der Protagonistin ist ebenfalls stark und gut geschrieben, da hier endlich mal ein Kind sich nicht nur altersgerecht, sondern auch den Umständen entsprechend verhält. Denn in Ihr spiegelt sich gut die jahrelange Erziehung des Vaters wieder, die nun im fortschreitenden Alter durch individuelles Aufbegehren teilweise durchbrochen wird ohne gleich völlig aus dem Ruder zu laufen. Auch die kleinen Sachen wie realistische Darstellung vom Leben in Wäldern und was es psychologisch bedeutet auf sich alleine gestellt zu sein, um seine Existenz letztlich nur in den Dienst seines Kindes zu stellen, ist eine willkommene Abwechslung zu den sonst in den aktuellen Filmen dargestellten Rabeneltern mit Ihren teilweise wirklich menschenunwürdigen Entscheidungen.

Ein Film auf den man sich einlassen muss aber der einen definitiv dafür belohnt. Für mich zusammen mit Miikes unterhaltsamen Liebesfilm der beste Film des Festivals.
Cinescout
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

19.09.2019, 20:12



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