Hotel Mumbai

Deo-Härtetest

von Leimbacher-Mario
Hollywood versucht oft aus unvorstellbaren Tragödien wie Terroranschlägen „Unterhaltung“ oder zumindest Spannungskino zu machen. Und versagt dabei oft durch Kitsch, Pathos, Oberflächlichkeit und Ausbeutung. „Hotel Mumbai“ als internationale Produktion zeigt der Traumfabrik nun, wie es richtig geht und hat mich ein- bis dreizehnmal durchgewrungen und aufgewischt. Was für ein unfassbar spannendes, kaum auszuhaltendes Brett! Was für eine Schande, dass der hierzulande nicht in die Lichtspielhäuser kommt, wo er hingehört. Eindrucksvoller kommen Regiedebüts nicht! Erzählt wird recht nüchtern und fast dokumentarisch (erinnerte mich von der Art ein wenig an Greengrass' „United 93“) von den massiven, ausgedehnten Terroranschlägen in und um Mumbai im November 2008. Vor allem von den Geschehnissen in einem Luxushotel, in das die verblendeten Islamisten eindrangen und wo das Hotelpersonal unendlich Mutiges vollbrachte, um viele Gäste in Sicherheit zu bringen und vor dem Tod zu bewahren...

„Hotel Mumbai“ spielt ohne Frage in der Champions League, wenn es um verfilmte Terroranschläge geht. Exzellent besetzt, hochwertig aufgenommen, emotional ohne Ende und respektvoll allen Opfern gegenüber - besser geht das eigentlich nicht. Und vor allem eins: spannend spannend spannend. Durchgehend und von Beginn an. Meine Hände waren selten so nass im Kino. Meine Augen am Ende auch. Und in einigen Höhepunkten zwischendrin war meine Hose, glaube ich, auch kurz davor. Danach musste ich erstmal runterkommen, mein Puls war auf Hochbetrieb und das Herz ebenso. „Hotel Mumbai“ ist großes Kino und eine echte Ehrung all der Helden und mutigen Menschen an diesem Tag. Das unglaublich langsame Polizeiverhalten ist nicht verständlich aber war wohl wirklich so und nicht anders möglich; Armie Hammer enttäuscht nie und überrascht mal wieder mit seiner Rollenwahl; Dev Patels Augen sagen mehr als tausend Worte. Dieser Film ist mehr als ein Film und man hat die ganze Zeit vollkommen auf dem Schirm und unter der Haut, was hier auf dem Spiel steht und dass die Einsätze nicht größer sein könnten. Berstende Anspannung im ganzen Körper. Hochspannung. Leben oder Tod, so nah beisammen. Und die Terroristen haben keinen Deut mehr Zuneigung oder Hintergrund verdient, als hier dargestellt. Auch das ist also ideal gelöst und alles könnte nicht weiter weg von „Terror Porn“ sein. Ungemütlich, heftig, pulstreibend. Ein bahnbrechender Nägelbeisser. Und Geschehnisse, die einen sprachlos, hilflos, wütend zurücklassen. Ja auch etwas dankbar für jede Sekunde Leben. Respekt!

Fazit: Ein mehr als nur packendes und mitreißendes Spannungsmeisterwerk. Und zudem ein Denkmal für all die an diesem Tag geborenen (und leider auch zum Teil gestorbenen) Helden - von Hotelangestellten über Polizisten bis zu Gästen. Danach dürfte keiner mehr fragen, ob man darüber wirklich einen Film machen muss. Schweißtreibend in jeder Sekunde. Sachlich und nie kitschig. Hollywood, schau hin!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

20.09.2019, 03:00



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