3 From Hell

Die drei von der Geriatriestelle

von D.S.
Ich geb‘s gerne zu, ich war nie ein großer Fan von Rob Zombies Filmen um die Firefly-Family. Für mich beides nur mäßig erfolgreiche Versuche, den Grindhouse-Spirit von Filmen wie TEXAS CHAINSAW bzw. THE HILLS HAVE EYES in die (damalige) Gegenwart zu bringen – ohne inhaltlich auch nur einen eigenen Ideenfunken hinzuzufügen und letztlich vor allem unbeholfen versuchend, das psychologische Terror-Niveau der Klassiker durch den Einsatz plumper, meist eher physisch gelagerter Provokationen zu erreichen.

Aber hey, immerhin waren HOUSE OF 1000 CORPSES und TDR halbwegs unterhaltsam. Ihre Antihelden Abziehbilder, ihre Storys non-existent, ihre Inszenierung fast ausschließlich auf Fan-Service ausgelegt – sicher, weder genreprägende Werke noch solche, die eine sonderlich eigenständige Regie-Handschrift offenbart hätten. Doch zumindest mit Figuren ausgestattet, denen man gerne zusah: beim freudvollen Pinkeln auf alle Formen allgemein anerkannter Moral, beim geisteskrank, beim ultimativ böse sein. Sinnvolles Handeln? Wozu, wenn man töten kann, egal wen oder was!

Tja, wir werden alle älter. Die Teufel unter uns ganz offensichtlich auch, und sogar die selbst dem Teufel zu Krassen. Anders lässt sich jedenfalls kaum erklären, warum 3 FROM HELL eine derart müde Angelegenheit geworden ist – und warum seine vorgeblich ultrabösen Bösewichte sich fast durchweg als eher nur bambiböse gerieren. Angezogene Handbremse wäre ein Euphemismus. Ja, „Baby“ (Sheri Moon Zombie) gibt sich durchgeknallt wie immer, wenn nicht gar noch exaltierter als bisher, und ist damit – je nach persönlicher Präferenz – so anstrengend oder so charmant wie üblich. Der Rest der Baggage bleibt allerdings außerordentlich brav, blass, ja, verhält sich regelmäßig – Schock! – geradezu vernünftig. Strategisch planend. Nahezu normal. Ein Gesamteindruck, der in seiner Tranigkeit noch dadurch verstärkt wird, dass der vom großartigen, inzwischen traurigerweise von uns gegangenen Sid Haig verkörperte Captain Spaulding – der zweifellos immer die spannendste Figur im Firefly-Universum war – sich schon nach sehr kurzer Zeit aus dem Geschehen verabschiedet. Sein handlungsseitiger „Ersatz“, gespielt von Richard Brake, hinterlässt leider überhaupt keinen Eindruck. Flach, flau, grau. Und der einzige Clown, den wir hier sonst (kurz) geboten bekommen, ist die verkörperte Fremdscham, ansonsten jedoch keine Erwähnung wert.

Nein, ganz ehrlich, mir fällt kein Grund ein, warum dieser Film gemacht wurde, von offensichtlichen monetären Überlegungen einmal abgesehen. Psychopathen, die es einfach mal ruhig angehen lassen – wer will das sehen? Beim Festivalpublikum machte sich jedenfalls bald Ernüchterung breit. Man war vorab so dermaßen gewillt, eine schöne, brutale, schmierig-sicke Story aus der Hölle abzufeiern. Aber man bekam dann ein zähes Machwerk präsentiert, das sich weder irgendeinem kontroversen Thema widmet noch irgendwelche exzessiven Effekthöhepunkte liefert. Und das vor allem – Todesurteil für einen Film von Rob Zombie – weder besonders gestört noch besonders makaber wirkt. Das die Grenzen des guten Geschmacks niemals wirklich hinter sich lässt. Diesseits dieser Grenzen aber, wie eigentlich fast immer bei diesem Regisseur, ohnehin nichts Nennenswertes zu bieten hat.

Nein, das war nichts. Ein Film über das hemmungslose, amoralische Böse, der permanent gehemmt wirkt und an der mehrheitlichen Moral bestenfalls schüchtern kratzt. Langsam, müde, harmlos. Für mich insofern ohne echte Existenzberechtigung – und nur des Charismas seiner Darsteller wegen gerade noch 4 Punkte wert. Aber schockierend, strange, sick? Nein, im Vergleich mit ähnlich gelagerten Genrefilmen, und vor allem seinen Vorgängern, leider nicht ansatzweise. Und sind das nicht die einzigen Maßstäbe, die man von einem Rob-Zombie-Film nun wirklich in jedem Fall bedingungslos erfüllt wissen will?
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

27.09.2019, 02:34



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