Tone-Deaf

Gute Idee, fragwürdige Umsetzung

von Jimmyjohnjamesmyer
Wenn man sich den Trailer von Tone-Deaf ansieht, hat man den Eindruck, dass man einiges erwarten kann. Blutig, wild, bunt, chaotisch, trippig. Diese Elemente sind alle im Film und auch die Hauptcharaktere sehen vielversprechend aus. Eine Großstadthipsterin, die nach Kündigung ihres Jobs einen Selbstfindungstrip aufs Land unternimmt und ein Grumpy Old Dad vom Land, dessen Frau gestorben ist und der von so ziemlich allem genervt zu sein scheint und nun Avancen entwickelt, mal den Killer auszuprobieren... halt mal was anderes. Perfekte Mischung, um im Setting eines schön großen Landhauses aufeinanderzutreffen und Generationenkonflikte zwischen Geistern, kaputten Träumen und LSD Trips auszutragen. Auch die vom Rande immer mehr in die Handlung rückende Mutter der Arbeitslosigkeitstouristin, die irgendwo in einer Kommune abgestiegen ist und sich junge Sexsklaven mit wenig Hirn zu ihrer Belustigung hält, hat erstmal was für sich.

Hätte also eine nette schwarze Horror-Komödie werden können, schwankt aber so dermaßen unentschlossen und unrund zwischen den Elementen, dass man irgendwann nicht mehr weiß, ob das ein zynischer Blick auf den aktuellen Generationen- und Ideologiekonflikt in den Staaten sein soll, ein härteres "Kevin allein zu Haus" oder eine Komödie. Nicht dass ich ein Problem mit Filmen habe, die sich jeder Kategorisierung verweigern, aber hier wirkt alles einfach nur zerrissen.
Der Grundkonflikt zwischen den beiden Hauptcharakteren, der am Ende in Monologen nochmal auswalzt, worum es dem Regisseur wohl ging, bietet genug Stoff zusammen mit dem titelgebenden Piano-Talent der Großstadt Hippsterin, die Kritik nicht kennt, da in ihrem Umfeld scheinbar primär hinter dem Rücken kritisiert wird und im Vordergrund oberflächliche Tschakka-"Du kannst alles"-Motivation stattfindet. Aber ob es nun die immer boshafter werdenden Quälereien des Grumpy Old Dads, seine eingestreuten Träume und ihre Drogen Trips oder auch die übertrieben schwarzen Einlagen mit zusätzlichen Roofie Serienmördern sind, die am Rande mal so reinschauen... es passt alles so wenig zusammen, wie die Backstories der Hauptcharaktere. All diese Elemente treffen sich nicht wirklich, passieren irgendwie am Rande und leiten auf ein zusammengepuzzeltes Ende voller Logiklöcher und fragwürdiger Handlungen hin, in der dann Charaktere aufeinandertreffen, die allesamt ziemliche Egoisten und Narzissten sind.

Wirklich schade, aber so ging es mir bisher mit allen Filmen, die ich von Richard Bates gesehen habe... gute Ideen und Visuals aber am Ende bleibt nur ein "Meh" und das Gefühl, dass die ganzen Düsterelemente einfach nicht viel dahinter haben.
Jimmyjohnjamesmyer

30.09.2019, 13:44



Weitere Informationen (externe Links):