von Fans für Fans

The Forsaken

Schicker Roadmovie.

von D.S.
Okay, falsche Erwartungen töten diesen Film. Was hab ich hier von VAMPIRES als Vergleich gelesen??? Nur, weil THE FORSAKEN auch in staubigen Gegenden spielt, oder wie?

Ja, NEAR DARK haut da schon eher als Bezugspunkt hin, oder auch LOST BOYS. Wobei man dem Film vielleicht wirklich einfach die Chance geben sollte, für sich selbst stehend wahrgenommen zu werden.

Kurz was zur Story: Sean, ein smarter junger Typ aus dem Filmbusiness (Kerr Smith) nimmt zur Aufbesserung seines schmalen Gehalts, und weil er zur Hochzeit seiner Schwester eh in die Gegend will, von einem schmierigen Automechaniker den Auftrag an, ein supertolles Mercedes-Cabriolet nach Miami zu fahren. Trotz aller Ermahnungen läßt er sich darauf ein, einen ziemlich abgerissenen jungen Anhalter (Brendan Fehr) mitzunehmen, weil der verspricht, das Benzingeld der Reise bis nach Houston zu zahlen. Kaum hat er ihn an Bord, passieren nicht so schöne Dinge, die ihn schließlich immer tiefer ins Verderben ziehen.

Bald stößt er so auf eine junge, wunderschöne Frau, die von Panikattacken geplagt scheint, kein Wort von sich gibt und bei jeder Gelegenheit wild um sich schlägt. Der Anhalter erklärt ihm, sie habe sich einen Virus eingefangen, er wisse aber um das Heilmittel ... und irgendwann sieht er sich schließlich auch genötigt, Sean einzuweihen, daß es Vampire gibt, und daß einer der verbliebenen Obervampire in dieser Gegend unterwegs ist (und die Frau offenbar gebissen hat).

Ab diesem Moment beschäftigt sich der Film mit ihrer Flucht vor und ihrer Jagd auf diesen Obervampir und seine Gang, die allesamt (sehr NEAR DARK-mäßig) voll und ganz in der Gegenwart beheimatet sind. Was auch heißt, daß sie nicht mehr an sinistre Fledermaus-Maschinen erinnern, daß sie recht logisch handeln, daß sie nur schwer von den "normalen" Irren zu unterscheiden sind.

Sicher, der Film hat seine Längen, und es ist auch nicht gerade der originellste Stoff, der jemals geschrieben wurde. Aber dennoch ist THE FORSAKEN gute Unterhaltung, und er verdient es nicht, so heruntergemacht zu werden, wie er es an diesem Ort bisher wurde. Die Vampire wirken tatsächlich nur bedingt angsteinflößend. Aber alles andere wäre, siehe oben, auch nicht sehr logisch. Schließlich geht es hier ja genau um die Vermischung des "Virus" mit dem Alltag, mit der Gegenwart. Es stimmt auch, das ist nur teilweise das, was man sich unter einem "echten" Vampirfilm vorstellt: Gore gibt es nur ganz wenig, und selbst die "Beiß-Szenen" sind an einer Hand abzuzählen. Eher ist das ein Roadmovie, ein sehr düsterer allerdings.

Aber wie auch immer man THE FORSAKEN kategorisieren möchte: er bietet gute schauspielerische Leistungen und mindestens 75 (von 91) Minuten gute Unterhaltung. Zwar nicht so ambitioniert wie NEAR DARK (und nicht ansatzweise so krachig, prollig und laut wie VAMPIRES), aber doch mit einem interessanten, modernen Ansatz. Kann man nicht von abraten!

D.S.
sah diesen Film im Turm-Palast, Frankfurt

05.08.2001, 06:16



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