VFW

Das Ende. Vom Anfang.

von Leimbacher-Mario
Kein Regisseur und sein Werk hat mehr Einfluss auf die aktuell jungen Filmemacher, wie John Fu**ing Carpenter. Von den Synthie-Scores über Helden aus der Arbeiterklasse bis zu eingeschlossenen, umzingelten Gruppen auf einem engen Raum - überall sieht man als heutiger Genrefan seine Spuren. Ich weiß nicht, ob ihn persönlich das freut und stolz oder traurig und frustriert macht, da er das ja selbst scheinbar nicht mehr ansatzweise so hinkriegt. Obwohl ich ihm schon irgendwie noch einen Alterskracher a lá George Miller zutrauen würde... Egal, ich schweife ab, warum erzähle ich das? Weil Joe Begos - nennt es Quatsch, zu früh oder Gotteslästerung - so langsam am ehesten an den Status eines aktuellen, modernen Carpenters herankommt. Während seine ersten beiden Werke noch reine Stilproben und recht leer waren, sind seine zwei neuesten Blutergüsse, „Bliss“ und eben dieser „VFW“, echte Burner, nicht nur im Stile und Geiste des Altmeisters, sondern auch fast auf dem Niveau seiner besten Werke. Und das sind immerhin unumstößliche Genreklassiker. Ihr merkt: ich bin Fan von dem Typen. Und auch in „VFW“ habe ich mich Hals über Kopf verknallt. Genau wegen solchen stylischen Schlachtplatten geht man doch aufs Fantasy Filmfest, deswegen liebt man doch das Genre, das Hobby Film und Regielegenden wie Carpenter, Craven oder Cronenberg. Nostalgie und Kopieren hin oder her. Begos liefert hier ab, meine Freunde. Alter Wein aus neuen Schläuchen, aber eben verdammt köstlich. Und das komplett ohne Gefangene zu machen. Respekt!

In „VFW“ (kurz für „Veterans of Foreign Wars“) wird eine Clique alter Kriegsveteran in ihrer Barkaschemme von wütenden Drogenjunkies/-zombies umzingelt und angegriffen, sodass ein blutiger letzter Krieg auf heimischem Boden losfetzt und die Nacht rot färbt... Was. Für. Ein. Fest! Schlachtplatte olé. „VFW“ erinnert natürlich an genannte Klassiker und ist jetzt nicht herausragend kreativ oder gar eigenständig. Zudem wiederholt sich das blutige Gemetzel minimal und alles schrammt (beabsichtigt) auch oft an einer Parodie vorbei. Aber es macht so unfassbar viel Fun, das glaubt man kaum. Alte Haudegen wie Fred Williamson oder Martin „Cobra Kai“ Kove mal wieder zu sehen, und dann sogar in saftigster Action, ist ein feuchter Traum für jeden Fan. Aber natürlich ist der Star und Anführer des Films Stephen Lang, der seine Sache besser und badassiger nicht machen könnte. Vom brummenden Score über die körnige Optik oder die geilen Einzeiler bis hin zu den handgemachten Splatterorgien oder dem genau richtig dosierten (und unterlaufenen) Pathos - das Ding kennt keinen Rückwärtsgang und ist nostalgisches, wütendes und brutal unterhaltsames Exploitation-B-Kino vom Feinsten. Und trotz aller Kopiererei und Hommagen noch "the real deal". Oder zumindest so real, wie es momentan geht. Das Ding ist ein dreckiger Fiebertraum irgendwo zwischen „Mandy“, „Dredd“ und „Green Room“, der jedes Fanherz höher schlagen lässt. Eine Mitternachtskinospitze, wie sie sein sollte und viel zu selten ist. Kompromisslos, abgefuckt, straight, kernig, altmodisch und doch irgendwie augenzwinkernd. Das kann man kaum besser machen. Und wer bei „Bliss“ noch sagen konnte, dass das deutlich mehr Style als Substanz war, wird mit dieser sympathischen Altherrenmannschaft spektakulär eines Besseren belehrt. Hier hängt nun auch genug Herz mit im rockenden Boot.

Fazit: Was für eine perfekte, geile, rotzige, saftige Carpenter-Hommage. Einfach nur gut. Alt und knallt. Joe Begos hat sich im Vergleich zum Anfang seiner Karriere enorm gesteigert, zu einem meiner momentan liebsten Genreregisseure. Rau, radikal, roh. Wie das brachiale Baby aus „Assault on Precinct 13“, „From Dusk Till Dawn“ und „Bliss“. Wir brauchen außerdem mehr von Fangoria produzierte Filme!!!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

19.01.2020, 02:28



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