Jojo Rabbit

Tanzen bedeutet Freiheit

von Michaela
Bei der Zweitsichtung sogar noch besser!

JoJo Rabbit - eine Komödie, die tragisch, aber auch mit einem Funken Hoffnung endet?

Johannes Betzler, 10 Jahre alt, ist begeisterter Hitlerfan und Nazi. Der Film beginnt mit diesem 10-jährigen blonden Jungen, der sich Mut macht, weil er ins HJ-Lager mit darf und dort zum Mann werden will. Der etwas zarte, ängstliche Junge hat eine Menge Vorstellungskraft und ist, wie Kinder in diesem Alter so sind, sehr begeisterungsfähig und beeinflussbar. Da er nur wenige Freunde hat, stellt er sich vor, dass Adolf Hitler sein Freund ist, der ihn ermutigt und zur Seite steht, wenn es schwierig wird. Sei es im HJ-Lager, wo er seinen Spitznamen "JoJo Rabbit" erhält, als er Diskussionen mit seiner Mutter hat oder das jüdische Mädchen Elsa im Dachgeschoss entdeckt - Hitler tröstet, spricht Mut zu und ist für ihn da, anstatt des Vaters, der im Krieg ist.

Der erste Teil ist durchaus eine Komödie, Absurde Situationskomik gepaart mit flotten Sprüchen. Und dann wird der Film ernster, der Klamauk wird fast rausgenommen, das Lachen bleibt im Halse stecken und der eine oder andere mag ein paar Tränen zerdrücken. Gute Komödien zeichnen sich eben durch ihre tragischen Momente aus.

Die Figurenzeichnung fand ich fantastisch - der kleine Junge (Roman Griffin Davis) trägt den Film fast alleine, sein kleiner Freund Yorki ("I’m just a kid in a fat kid’s body") ist ein Szenendieb. Scarlett Johannson als Mama ist wunderbar, jemand mit Zivilcourage. Auch Sam Rockwells Charakter ist sehr interessant, ein desillusionierter Mann, eher dem eigenen Geschlecht zugetan, wie ganz zart angedeutet wird, und der trotz des Schreckens der Nazizeit doch das Herz am rechten Fleck hat. Und dann das jüdische Mädchen, zwischen Angst, Hoffnung, und Trotz. Eine kleine Comic-Relief-Rolle wird von Rebel Wilson als Fräulein Rahm gespielt.

Auch wenn einige Figuren eine Karikatur darstellen, werden sie nicht ins Lächerliche gezogen. Das Timing von Waititi lässt nichts zu wünschen übrig. Er schafft den Spagat zwischen Persiflage, Komik und ernster Thematik - ist ja ein doch schwieriges Thema.

Waititi, ein halber Jude, spielt A. H. Allein das ist schon bemerkenswert, finde ich. An der Figur des A. H. kann man Anstoß nehmen. Ich finde aber, da er ja ein imaginärer Freund eines ZEHNJÄHRIGEN ist, kann dieser A. H. durchaus knuffiger und infantiler sein, als das echte Vorbild. Schließlich entstammt er ja der Vorstellung eines 10-jährigen Jungen, der ihn höchstens aus dem Radio oder von Postern kennt.

Zuletzt steht Johannes Betzler da, 10-einhalb Jahre, der in den letzten sechs Monaten mehr gelernt hat und vielleicht auch ein kleines bisschen männlicher wurde, als er es sich am Anfang seiner HJ-Jugend vorstellen konnte. Helden, Schmetterlinge im Bauch und die Realität des Krieges haben nunmehr eine andere Bedeutung für ihn.

Interessant auch der Vergleich der Begeisterungsfähigkeit der Massen - jubelnde Menschenmengen, seien es A. H. oder die Beatles beim Filmintro. Mahnt einen, dass man nicht in der Herde mitlaufen sollte, sondern auch mal gegen den Strom schwimmen muss, damit Menschlichkeit und Freiheit erhalten bleiben.

Am liebsten würde ich gleich nochmal 10 Punkte geben.
Michaela
sah diesen Film im Cinema, München

26.01.2020, 00:06



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