The Other Lamb

Menschen, Tiere, Menstruationen

von Herr_Kees
Malgorzata Szumowskas „Kult“-Film lebt von seinen Bildern: Wenn die ganz in Blau gekleideten „Töchter“ durch die karg grünen irischen Waldlandschaften wandern, die Sonne über einem Weizenfeld untergeht oder ein haarumkränzter Frauenkopf sich im Gegenlicht erhebt, möchte man diese Momente am liebsten festhalten und einrahmen.

Allerdings liegt zwischen Poesie und Pathos nur ein schmaler Grat und wenn später der „Shepherd“ einem Lämmchen vor nächtlicher Waldkulisse unbewegt die Kehle durchschneidet und daraufhin eine „Tochter“ ganz in Weiß mit Blut im Schritt im Walde steht, übertreibt es die Regisseurin mit ihrer Bildsymbolik etwas – da ist der Kitsch nicht weit.

Auch inhaltlich bleibt THE OTHER LAMB die meiste Zeit auf einer symbolischen Ebene und ist einer Art Arthouse-Variante von THE HANDMAID'S TALE oder THE VVITCH näher als dem Sektenhorror von MIDSOMMAR oder dem realen Thrill eines THE SACRAMENT. Im Gegensatz zu Margaret Atwoods Dystopie oder auch anderen Sektenfilmen, wie es sie letztlich vor allem um den Manson-Clan gab, liefert dieser Film keinerlei Erklärung, wie es ein einzelner, nicht einmal sonderlich charismatisch dargestellter Mann geschafft hat, offenbar schon seit vielen Jahren eine Gemeinschaft williger Ehefrauen und höriger Töchter um sich zu scharen, die quasi nur durch ihre verschiedenfarbige Kleidung auseinanderzuhalten sind. Die Faszination für diesen Schäfer erschließt sich dem Zuschauer nicht und so nimmt man zunächst auch die meisten Frauen als ahnungslose, treudoofe Lämmer wahr. Aber vielleicht ist das zu pragmatisch gedacht in Anbetracht des Kunstfilms, den die Regisseurin wohl beabsichtigte.

So kann man sich nur einlassen auf den symbolischen Bilderstrom und die Parabel von Coming of Age und der Befreiung aus dem Patriarchat – oder sich zu schönen Bildern und klassischer Musik gepflegt langweilen, je nachdem, wo die persönlichen Präferenzen liegen.
Herr_Kees

09.07.2020, 14:29



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