True History of the Kelly Gang

Lügen haben Kurzel Beine

von Leimbacher-Mario
Western sind nicht mein Spezialgebiet, von der Kelly Gang aus dem späten 19. Jahrhundert in Down Under wusste ich gar nichts und Justin Kurzel ist durch den ziemlich unbrauchbaren „Assassin's Creed“ momentan kein Regisseur, auf den ich besonders gut zu sprechen oder gar heiß bin, trotz all seinem visuellen Flair und seiner bockstarken „Macbeth“-Variante. Keine guten Voraussetzungen für „True History of the Kelly Gang“? Nicht unbedingt, denn wo ein leeres Blatt oder sogar niedrige Erwartungen sind, könnte ja umso schöner gemalt und überrascht werden... Wir folgen dem legendären australischen Gangster und Bushranger Ned Kelly von seiner rauen Kindheit bis zum festen Galgen - im Kampf gegen Erbe, Land, Obrigkeit, Besatzung, Gesellschaft und sich selbst...

Punk Rock Aussie Western Ballad!

Wie eine Mischung aus „Bronson“, „Once Were Warriors“ und einem australischen, abgefuckten und extrovertierten Neo Western schält sich dieses audiovisuell beeindruckende, inhaltlich und emotional recht dünne „Biopic“. Gar nicht wirklich auf Realismus oder Authentizität bedacht, geht es hier vor allem darum, optisch und schauspielerisch aufzutrumpfen - und immerhin das gelingt. Zum Teil sogar rettend spektakulär. Von großen Guns wie Russell Crowe oder einem aufopferungsvoll spielenden George MacKay ist das hochwertigst und intensivst gespielt. Und ein gutes Auge hatte Kurzel schon immer, sein Werdegang aus dem Musikvideobereich ist nie zu leugnen. Nur leider kann der Film da erzählerisch und emotional leider gar nicht mithalten, hat mich in dieser Beziehung total kaltgelassen. Die Figuren wirken immer deutlich comicartig überhöht und blieben mir fern, entscheidende Momente wirken nicht ausgespielt, man ist am Ende kaum schlauer über den scheinbaren Mythos „Ned Kelly“ als zuvor. Da müsste man glauben, dass dem geborenen Australier Kurzel ein scheinbar so bedeutendes Kapitel seiner Heimat eigentlich wichtiger sein müsste. All das kann nicht Sinn der Sache sein. Nur starke Optik, theatralische Fisematentchen und eindringliche Bilder und kaum etwas darin/dahinter - das ist fast frustrierender als ein klar schlechter Film...

Fazit: Stylisch, intensiv, lang, hart, eher an Coolness denn an Authentizität interessiert. Definitiv an der Oberfläche effektiv und frisch. Auch ein kleiner Rebound nach dem völlig missratenen „Assassin's Creed“ in der Traumfabrik. Der Mann hat ein Auge, der Mann hat Eier, der Mann hat Eigenwillen. Doch: So richtig weitergebracht hat mich dieser Neo-Western nicht... Und nochmal sehen muss ich ihn ebenso wenig.
Leimbacher-Mario

10.07.2020, 16:32



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