crazy

Daniel Isn't Real

„Psycho killer, qu’est-ce que c’est?“

von Alexander
Ich wollte den Film eigentlich nicht mögen. Der Film ist anstrengend, laut, vermeintlich vorhersehbar, in der ersten Hälfte irgendwie schmerzhaft repetitiv. Und „Daniel Isn’t Real“ präsentiert uns mit Patrick Schwarzenegger einen der unsympathischsten Arschloch-Charaktere in der Geschichte des Fantasy Filmfest, der in seinen „besten“ Momenten noch an den manipulativen Rob Lowe aus „Bad Influence“ erinnert, letzten Endes aber in einer nahezu dämonischen Gestalt explodiert, die dem Film so richtig viel Fiesheit schenkt.

Ich wollte „Daniel Isn’t Real“ also nicht mögen - konnte aber leider gar nicht anders, als den Film trotzdem abgefahren zu finden.

Das Ding brennt sich nämlich so dermaßen extrabreit ins Hirn des Zuschauers das man sich dem abgründigen Strudel nicht mehr zu entziehen weiß, was auch den genialen Bildern und der abgrundtief bösen Tonspur zu verdanken ist. Hier wird eine eigentlich simple Idee in psychedelischem Horror vertieft.

Denn „Daniel“ ist der eingebildete „Freund“ vom in seiner Kindheit traumatisiertem „Luke“ und richtet es sich in Lukes Leben feudal bequem ein, um eine Gemeinheit nach der anderen rauszuhauen. Zuvor noch als harmloser Gast eines psychisch derangierten jungen Mannes erklärt, wächst der böse Alter Ego alsbald zu einem echten und fast real zu greifenden Dämonen heran, vor dem es kein Entrinnen mehr zu geben scheint.

Doch Daniel isn’t real. Or is he? Irgendwann kippt der anfangs als Psycho-Duell angelegte Stress in eine Art metaphysischen Bodyhorror, der mir fast vorkam, wie eine Art Horror-Groteske von Altmeister Cronenberg.

Hier trifft „Hellraiser“ schmerzhaft auf Sigmund Freud das es eine freudsche Freude ist. Das ist mit harten Schnitten und bis in das letzte Detail ausgearbeiteten, metaphysischen Bildern ein Fest für die Sinne des verwöhnten Cineasten, gruselt ganz grandios und schauert schonungslos bis in die Haarspitzen.

Von einem „Soundtrack“ mag ich dann eigentlich auch nicht mehr sprechen, wenn ich die durchgehend ergreifende Tonspur des Films hier als exquisiten Ton-Schmerz beschreiben muss, die das visuell opulente Geschehen so fantastisch untermalt, das man zwischen Erbrechen und Freude fast nicht mehr zu wählen weiß. Das hat schon was von grotesker Kunst im Film.

Dies sind die Filme wegen derer wir uns das Fantasy Filmfest geben. 10 Punkte für Schnitt und Ton. Wegen der ETWAS vorhersehbaren Geschichte dann halt „nur“ 8.5. Trotzdem: Sehr geil.

„Warum muss ich jeden Tag
Geisterbahn fahrn?“ - Extrabreit
Alexander

13.08.2020, 15:50



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