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Sputnik

Helden und andere Monster

von D.S.
Kaum ein Film im diesjährigen FFF-Programm wurde in jüngster Zeit so sehr gehyped wie SPUTNIK. Und auch, wenn ich mich im Genre wirklich nicht auskenne: Russische Sci-Fi hat einen herausragenden Ruf. Deshalb war ich extrem gespannt auf das Langfilmdebüt von Egor Abramenko - und am Ende leider umso enttäuschter.

Dabei ist der Film alles andere als schlecht. Seinen Vorschusslorbeeren und seiner Vermarktung wird er aber meiner Meinung nach nicht gerecht. Was schon mal damit anfängt, dass er eigentlich mehr Creature Feature als klassische Sci-Fi ist. Sehr geschwätziges Creature Feature. Wir bekommen zu Beginn ca. 2 Minuten im Weltraum geboten, im Verlauf des Films dann gut 15-20 Minuten Monster-Action. Der Rest des Films ist aber fast ausschließlich Dialog.

Das muss ja nun per se nichts Negatives bedeuten, zumal in meinem Kopf „russische Sci-Fi“ fest mit „philosophische Tiefe“ verknüpft ist. Gilt hier aber leider nicht so ganz, denn es geht zwar ausufernd um existentielle Fragen menschlicher Moral und, erstaunlich Soviet-Ideologie-kritisch, um unterschiedliche Definitionen und Konsequenzen von „Heroismus“. Großartige Tiefe wird dabei aber eher selten erreicht, vielmehr fühlt sich das Dialogbuch meist genauso holzschnittartig an wie das Bild der UdSSR 1983, das hier gezeichnet wird. Na, aber immerhin gibt es dazu auch noch vordergründig unpolitisches Gut-und-Böse-Pathos; spannende Auseinandersetzungen der Sorte Macher gegen Sesselpupser und, ja, genau, Moral. Und mehr Moral.

Außerdem: ein Monster. Was an dessen Design nun besonders „spektakulär“ sein soll, erschließt sich mir nicht – es erinnerte mich an eine Kreuzung aus einem Gremlin, den STRANGER THINGS-Kreaturen und einer schleimigen Amphibie und zeigte sich nur in ein paar wenigen – allerdings gelungenen – Gore-Einlagen einigermaßen beeindruckend.

Viel unmittelbare Spannung oder Tempo hat das Geschehen ansonsten leider nicht aufzuweisen. Hauptdarstellerin Oksana Akinshina (LILJA 4-EVER) macht ihre Sache zwar gut, der Rest des Casts bleibt aber eher blass. Kameraarbeit und Score sind solide. Und das beschreibt auch den Gesamteindruck ganz gut: Man kann sich SPUTNIK ohne Weiteres ansehen, langweilig wird er trotz der übertriebenen Laufzeit nur selten, den Puls erhöht er allerdings auch nicht merklich öfter. Leider nur 5,5 von 10 Punkten für mich.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

11.09.2020, 03:47



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