crazy

Inheritance

Willkommen in der Vorabendserien-Vorhölle

von D.S.
Eins muss man INHERITANCE lassen, er ist kompetent produziert. Das gilt für ausnahmslos alle technischen Kategorien, von der angenehmen Kameraarbeit über das luxuriöse Produktionsdesign und den unauffälligen Score bis zum adäquaten Casting. Wobei Simon Pegg klar als verschenkt gewertet werden muss. Auch er macht allerdings einen sauberen Job und füllt seine Rolle so gut mit Leben, wie es eben geht. Dass sich seine Figur dennoch in keinem Moment glaubwürdig anfühlt, ist seinem Spiel kaum anzulasten. Sondern vielmehr einem Drehbuch, das wie direkt aus dem 90er-B-Movie-Brei herübergebeamt wirkt – oder aus der Welt der bis zur Unkenntlichkeit glattgeschliffenen, dazu von realistischen menschlichen Verhaltensweisen weitestmöglich wegkonstruierten Vorabendserien.

Klar darf (oder sogar: soll) sich ein Crime-/Mystery-Thriller gerne spekulativ von der Sorte Geschehnisse und der Art und Weise ihrer Entfaltung entfernen, wie wir sie aus dem Alltag kennen. Dafür sehen wir solche Filme. Wenn sich fast jede einzelne Entscheidung fast jeder einzelnen Figur allerdings so weit entfernt von aller Wahrscheinlichkeit anfühlt wie der Storyaufbau eines durchschnittlichen Groschenromans: Wie soll man dann so was wie ernsthaftes Interesse entwickeln oder gar bereit sein, Empathie zu investieren? Oder, konkreter: Wenn dir ein völlig Fremder aus heiterem Himmel böse Informationen um die Ohren haut, die dein ganzes Leben komplett auf den Kopf stellen, so sie denn wahr sind: Würdest du wirklich nicht wenigstens die paar Extra-Tage warten, die es dauert, die Hintergründe und möglichen Absichten dieser Person zu überprüfen bzw. verifizieren? Zumal, wenn du – laut Drehbuch – eine mit allen Wassern gewaschene, ganz sicher nicht naiv-sentimentale Top-Notch-Anwältin bist?

Sorry, aber der extreme Mangel an jeder Art von Glaubwürdigkeit der Figuren und ihrer Handlungen, die über-offensichtliche Konstruiertheit der Story und ihres Verlaufs machen INHERITANCE zu nichts anderem als einem Ärgernis und dem vielleicht größten Ausfall des FFF 2020. Dass dem Film bis ins letzte Drittel jedes nötige Tempo fehlt und er permanent aufdringlich bemüht wirkt, sich und seine Handlung bis ins Unmissverständlichste zu erklären, fällt da kaum noch zusätzlich negativ ins Gewicht. Angefressene 3 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

12.09.2020, 04:00



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