Fried Barry

A Ryan Kruger Thing

von D.S.
Eine Sichtung von FRIED BARRY ist ungefähr das Äquivalent dazu, sich zwei Stunden vor ein Terrarium zu setzen und ein paar fetten Kröten beim Krötensein zuzugucken: Es passiert nicht viel, trotzdem kann man den Blick ob der Hässlichkeit und Obskurität des Gebotenen kaum abwenden. Eine Zeitlang zumindest. Irgendwann wird es dann aber einfach todlangweilig und man fragt sich immer öfter, ob man nicht lieber etwas Sinnvolleres – oder Unterhaltsameres – mit sich anfangen sollte.

Durchaus passend insofern, dass der Regisseur sein Werk in den Opening Credits nicht als „A Ryan Kruger Film“ betitelt, sondern als „A Ryan Kruger Thing“. Ich muss zugeben, dass ich weder den gleichnamigen Kurzfilm kenne, auf dem FRIED BARRY basiert, noch irgendeinen anderen der über 30 Shorts, die Mr. Kruger vor diesem, seinem „Spielfilm“-Debüt veröffentlicht hat. Aber ich verspüre jetzt auch kein übermäßiges Bedürfnis danach, daran etwas zu ändern.

FRIED BARRY ist ein Fest der Abgefucktheit und Abseitigkeit, eine Art filmischer Crystal-Meth-Junkie. Dem Druffi kommt das, was er im Rausch erlebt, zwar vermutlich reichlich aufregend vor. Der unbeteiligte Betrachter hingegen bekommt nicht wirklich etwas zu sehen, bei dem er gerne hinschaut.

Apropos, die präferierte Droge unseres Protagonisten Barry (Gary Green, HOMELAND) ist augenscheinlich eher Heroin, aber ein Hardcore-User ist er zweifellos. Was höchstwahrscheinlich dazu beigetragen hat, dass er hässlich wie die Nacht ist – erinnernd an eine Kreuzung aus Michael Berryman in THE HILLS HAVE EYES und Michael St. Michaels im GREASY STRANGLER. Aber klar, von der Supermarktkassiererin bis zum Disco-Girl sind natürlich trotzdem alle Frauen rattenscharf auf ihn.

Barry verbringt seine Tage in heruntergekommenen Ecken Kapstadts damit, sich einen Schuss nach dem anderen zu setzen, Bier zu trinken oder ein Arschloch von einem Vater und Ehemann zu sein. Bis er auf dem Heimweg von einer Drogensession eines Nachts von Aliens entführt und einer recht invasiven Behandlung unterzogen wird.

Das war ungefähr die erste Viertelstunde des Films, und bis hierhin ist man noch halbwegs interessiert dabei. Problematisch ist nur, dass Barry im Anschluss an seine Entführung kaum etwas anderes macht als vorher – weshalb auch kaum jemandem wirklich auffällt, dass mit ihm etwas nicht mehr stimmt: Es hat ja vorher schon nichts gestimmt. Er schlurft weiter durch Kapstadt, nimmt Drogen, hat Sex, gerät ins Zentrum zahlloser unschöner Situationen... mit dem einzigen echten Unterschied, dass er jetzt quasi gar nicht mehr spricht.

Wir haben also eine mordshässliche Hauptfigur, die reichlich vielen, nicht großartig weiter charakterisierten und/oder uninteressanten Nebenfiguren begegnet und mit ihnen in mehr oder weniger belanglose Interaktion tritt; die dabei wie in komplettem Stupor wirkt und sich nur durch grotesk weit aufgerissene, stier geradeaus starrende Augen „artikuliert“. Und das war’s für ca. 75% der Handlung. Ja, Barry hat seit seinem Alien Encounter offenbar auch ein paar ungewöhnliche Fähigkeiten. Gibt’s aber nicht viel von zu sehen. Und natürlich trifft er zwischendurch auf ein paar Bösewichte. Wer nun allerdings auf Splatterorgien hofft, sei gewarnt: Geld für Spezialeffekte gab’s wohl keins.

Schlussendlich bleibt deshalb nicht viel, was FRIED BARRY empfehlenswert machen könnte. Seine leicht absurde bis dezent dadaistische Grundstimmung vielleicht. Und sein freudiges Sich-Suhlen im Hässlichen und gar Ekelhaften, falls man das mag. Story, Action, Unterhaltung im eigentlichen Sinne wird jedoch kaum geboten. Und, naja: Es gibt Gründe, warum sich nicht allzu viele Menschen oft zwei Stunden vor ein Terrarium hocken, um ein paar fetten Kröten beim Krötensein zuzugucken. Als Referenz: Gegen FRIED BARRY ist BLISS lupenreines, braves, konsensfähigstes Arthouse auf Oscar-Niveau. 3 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

13.09.2020, 04:04



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