The Personal History of David Copperfield

Magical History Tour

von D.S.
Um mal der übermäßigen Abneigung gegen den Film auf diesen Seiten etwas entgegenzutreten: COPPERFIELD ist ein wunderbar buntes, fantasievolles, teils magisch gestimmtes Spektakel, das mitunter stark an Werke speziell von Wes Anderson, Tim Burton, Terry Gilliam oder auch Jean-Pierre Jeunet erinnert – und damit ein lupenreiner Fantasy-Film im eigentlichen Sinne.

Dabei muss man die Exaltiertheit nicht unbedingt schätzen, mit der hier zahlreiche Figuren auftreten. Vielleicht kann man sich auch ob mangelnder Werktreue brüskiert fühlen – ich habe Dickens‘ „David Copperfield“ leider nie gelesen und kann das deshalb nicht beurteilen. Zumindest das herausragende technische Niveau der Verfilmung von Armando Iannucci (THE DEATH OF STALIN) sollte jedoch unstrittig sein: speziell Set-Design, Kostüme und Kameraarbeit sind bestechend.

Daneben hat mich aber zum Einen insbesondere auch der kunstvolle Umgang mit Sprache begeistert, der hier zelebriert wird – auch wenn der vermutlich eher der Literaturvorlage geschuldet ist. Und zum Anderen der erzählerische Fluss, der die epische Geschichte ohne Längen elegant von einem Abschnitt zum nächsten leitet, und dabei immer wieder bei faszinierenden Set-Pieces, die wie Pop-up-Zauberlandschaften wirken, einen Zwischenstopp einlegt.

Sicherlich haben auch die großartigen darstellerischen Leistungen der mit Superstars durchsetzten Schauspielerriege dazu beigetragen, dass ich mich insgesamt ausnehmend gut unterhalten gefühlt habe. Neben Dev Patel als zeitgemäß interpretierter David/Daisy/Doady stechen insbesondere Peter Capaldi (PADDINGTON), Hugh Laurie (DR. HOUSE) und natürlich Tilda Swinton (Tilda Swinton) hervor.

Im Rückblick hat mich aber am meisten beeindruckt, wie virtuos die Inszenierung auf der emotionalen Klaviatur des Betrachters spielt. Denn wenn THE PERSONAL HISTORY OF DAVID COPPERFIELD an der Oberfläche auch wie ein beschwingtes, buntes, magisches Märchen daherkommt, ist der Film doch durchwoben von einer tiefen Melancholie; von einer mitunter sogar resigniert wirkenden Traurigkeit ob des Schicksals, ob der sozialen Ungerechtigkeit, mit der die Protagonisten konfrontiert werden.

Wer die Vorlage kennt, mag anders urteilen, für mich ist COPPERFIELD eine der positiven Überraschungen des Festivals. Ein Stück filmischen Zaubers mit Nachklang, das die große Leinwand verdient. Gute 6,5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

13.09.2020, 12:05



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