Slaxx

Un-famose Hose

von D.S.
Okay, diese trashige kleine Genrekomödie von Elza Kephart (GRAVEYARD ALIVE) hat offensichtlich ein politisches Anliegen, nämlich die Anklage von „Fast Fashion“ und unmenschlichen Produktionsbedingungen in der Branche. Das kann ich allerdings auch nur mit Bestimmtheit sagen, da sich die Regisseurin in ihrem Video-Intro zum FFF-Screening ausführlich darüber auslässt: Betrachtet man nur den Film selbst, kann es durchaus passieren, dass man diesen Aspekt nicht großartig wahrnimmt.

Ja, die ökonomisch motivierte Kurzlebigkeit von „trendiger“ Mode, der rasante Wechsel der Kollektionen wird kurz thematisiert. Ebenso die Ausbeutung von Baumwollernterinnen und -erntern in abhängigen Ländern. Rückblickend betrachtet, dient Letztere sogar als zentraler Motivator der Handlung von SLAXX. Was über den größten Teil des Films hinweg aber viel mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist etwas anderes: Die sarkastische Behandlung von Corporate Language, von zur Schau getragener Weltretter-Attitüde maximal gewinnorientierter globaler Konzerne, von verbaler Pseudo-Korrektheit und hinter ihr verborgener absoluter Heuchelei – sowie eine ziemlich unverhohlene Abscheu vor Influencern, Hipstern und sonstigen Fashion-Victims.

Dagegen ist ja nun per se nichts einzuwenden. Vielleicht mal davon abgesehen, dass der Holzhammer nicht immer das beste Werkzeug ist, um sein Anliegen zu befördern; und dass andere Filme – wie etwa letztes Jahr TONE-DEAF – bereits deutlich härter und effektiver auf Ähnliches eingeschlagen haben. Smarter. Das Problem von SLAXX ist eher, dass er sonst nicht allzu viel Spannendes zu bieten hat. Und dass seine polemische, schrill vorgetragene Kritik an selbstgefälligen Speichelleckern der aktuellen Generation alleine nicht ausreicht, den Film zu tragen. Wenngleich sie vor allem im ersten Drittel definitiv für einige Lacher sorgt.

Im Kern aber hat der Film einfach zu sehr damit zu kämpfen, dass seine Handlungsidee zu billig ist – ihre Umsetzung jedoch nicht billig genug. Das heißt? Die Idee ist der blutige Amoklauf einer plötzlich zum Leben erwachenden Killer-Jeans in einem Klamottenladen. Die Umsetzung ist allerdings bei Weitem nicht so blutig, trashig, wahnwitzig, wie sie es bei einem solchen Konzept sein müsste. Splatter-Trash funktioniert nun mal nur, wenn er wirklich splatter-trashig ist. SLAXX wirkt dafür durchweg zu brav sowie auch zu ernsthaft/kompetent umgesetzt (und hat mit Brett Donahue (RADIUS) als kretinhaftem Store-Manager Craig sogar einen halbwegs bekannten Darsteller im Cast). Zudem ist leider ein eklatanter Mangel an roter Flüssigkeit zu beklagen. Für die hier eigentlich essentiellen zahlreichen, wilden Make-up- und Spezialeffekte hat augenscheinlich das Budget gefehlt.

Ein paar netten Ideen – zum Beispiel rund um das Thema indische Musik und rassistische Vorurteile –, dem akzeptablen Tempo, der schwarzhumorigen Grundstimmung und all seiner Farbenfreude zum Trotz kann der Film deshalb in keiner Hinsicht wirklich überzeugen. Ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Aber immerhin langweilt er nicht und lässt sich für Genrefans ohne große Verrenkungen wegkonsumieren. 4,5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

18.09.2020, 01:45



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