Slaxx

Sticky Fingerz

von Leimbacher-Mario
Von Autoreifen über Tomaten und Betten bis zu nahezu allen Tierarten – im Horrorfilm kann alles zur killenden Gefahr mutieren. „Slaxx“ ist eben die Horrorkomödie mit den „Killerjeans“, also irgendwo zwischen „Chucky“ und „Rubber“, in einem scheinheiligen Hipster-Modeladen. Inklusive alles überschattender Aussage zu unserer Ausbeutung der dritten Welt in Sachen Mode, Klamotten, Kinderarbeit, „Geiz ist geil“ und so weiter. I know. I know. Überlegen was man kauft, Wegwerfgesellschaft boykottieren, umdenken, Augen auf, bevor man kauft. Der F*ckfinger für Gucci bis Primark. Von der Regisseurin beim Auftritt auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest vorher per Einspieler auch nochmal hartnäckig festgetreten – obwohl der Film ja „für sich allein stehen könnte“. Schon klar. Steh ich eigentlich auch voll hinter, versuche ich mich dran zu halten, darf gerne auch betont werden. Löblich und nett gemeint. ABER: sollte die Splattersatire dahinter nicht auch noch Spaß machen und ein einigermaßen guter Film sein?! Würde das die Aussage nicht nachhaltiger als alles andere in den Köpfen manifestieren?! Denn das hat man scheinbar ziemlich hinten angestellt...

„Slaxx“ versagt im Bereich Horror vollständig, im Bereich Comedy weitestgehend, im Bereich Message leider auch, da viel zu plump und doof. Und ganz ehrlich: dann bleibt leider nicht mehr viel übrig... Klar, was will man von der Prämisse erwarten, eigentlich spielt dieser Quickie nur sein gefräßiges Hosenbein runter. Ich hatte sogar einige Bier kalt gestellt und zum Teil intus. Aber irgendwie wollte bei „Slaxx“ der Funke nie überspringen. Selbst knackige 77 Minuten wirken hier zäh wie ein Stretchbund. Die Kills sind zum Teil noch okay. Eine à la Bollywood tänzelnde Jeans lässt kurzzeitig schmunzeln oder gar nicken. Die Idee dahinter, und da kann auch ich mich nur wiederholen, sollte man nicht in den Dreck ziehen oder unterschätzen, wird noch laaange Gültigkeit besitzen. Aber was bringt das, wenn das Endprodukt lediglich lustloser Träger für diese ist, jedoch nie auch nur eine Minute für sich stehen und rocken kann? Das eine, graue Setting. Die furchtbaren Darsteller und ihre klischeehaften, blassen Figuren. Brauchbare, aber beliebige Effekte. Keine Story. Eine vollkommen unlustige, nervige YouTuberin. Die Liste ließe sich noch lange fortführen. Kurz gesagt: da ist jede Joggingbutz gemütlicher und angemessener. Und da ist es aus Wut und Enttäuschung fast egal, wo diese herkommt. Aber auch nur fast. ;) Ziel also auch noch nahezu verfehlt... Oh man. Was kann „Slaxx“ eigentlich?

Fazit: Fleiß 0. Der Holzhammer und die Kopfnuss. Lieber „In Fabric“ schauen. „Slaxx“ kriegt keine 6 – aber setzen sollte er sich dennoch. Den kann man sich sogar schwer schön saufen. Auch wenn man die Message grundsätzlich vollkommen unterstützt – hier backt diese nahezu nichts ab!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

25.09.2020, 01:27



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